Autotest

Macho, Macho

Text: Sven Broder und Kerstin Hasse; Foto: Johanna Hullar

Autotest Porsche
  • Porsche 911 GT3 im Double-Check:

    gamevuinhon-Reportagenleiter Sven Broder, Redaktorin Kerstin Hasse

Der neue Porsche 911 GT3 im Geschlechter-Test: Er bekommt sofort feuchte Hände. Sie bleibt die Ruhe selbst. Beeindruckt sind beide.

Sven Broder: Bei Porsche ist man bezüglich Geschlecht des neuen 911 GT3 erstaunlich zweifelsfrei: «Offensichtlich ist es ein Bub.» Schliesslich sei die Strasse seit Tag 1 sein Zuhause – und seine Schule. «Was also soll aus so einem schon werden?» Bleibt angeblich nur: «Vollblutsportler.» Genau. Also Bub. Denn Mädchen sind da … häuslicher. Irgendwie. Oder unsportlicher?
Nun könnte man dieses Fazit auf Seite 89 (!) des GT3-Verkaufskatalogs zu Recht es bitzeli sexistisch finden. Zumal – um noch ein wenig bei den Geschlechterklischees zu verweilen – der GT3 zumindest optisch ja durchaus auch gewisse Züge zeigt, die man als feminin bezeichnen könnte: grosse Augen, breite Hüften …

Doch ich will nicht zu sehr auf der Frage herumreiten, ob der GT3 nun eine Sie oder ein Er ist. Denn auch der GT3 ist nur ein Auto, also sächlich, im wahrsten Sinne des Wortes. Schon interessanter, wenn auch nicht ganz unsexistisch ist die Frage, ob dieses Auto – denn auch dies schwingt in fast jeder Zeile des Verkaufskatalogs mit – tatsächlich jeden Mann begeistert. Und: Was halten denn Frauen vom GT3?

Was ich als Mann sagen kann, ist, dass der GT3 zumindest die Herren der Polizei zu faszinieren scheint. Ich war noch keine 20 Minuten unterwegs, da musste ich bereits einer Streife auf einen Parkplatz folgen. Fahrausweis und Fahrzeugpapiere musste ich zwar zeigen, aber nur aus Prinzip. Primär wollten die Herren, das war offensichtlich, einfach mal ein bisschen aus der Nähe schauen. Und hätten sie von Amts wegen gedurft, hätten sie sich wohl reingesetzt und wären davongedüst. 500 PS, knackige 7 Gänge, in knapp 8 Sekunden auf 160 km/h, 318 km/h Spitze, dazu Überrollkäfig und Pneus breit wie Elefantenfüsse – schlummern tatsächlich irgendwelche Pferde in uns, die da durchgehen könnten, fangen sie beim GT3 zwangsläufig an, zu wiehern und zu schnauben. Jedenfalls war ich ganz froh, durfte ich diese Granate nach ein paar Tagen meiner Kollegin Kerstin zur Testfahrt überlassen. Denn mir fehlt nicht nur das grosse Geld für die Anschaffung des GT3, sondern schon das Kleingeld für die Bussen, die da kämen – so sicher wie das Adrenalin und die feuchten Hände beim Starten des 4-Liter-Boxermotors.

Kerstin Hasse: Die Schlüssel überreicht mir Kollege Sven mit den Worten «Machst nix kaputt, gell». Ich rolle meine Augen und steige erfreut ins Auto. Bevor ich losfahre, rufe ich meinen Freund an und teile ihm mit, dass ich ihn heute mit dem Porsche vom Büro abhole. «Hast du nicht Angst, mit dem durch die Stadt zu fahren?», antwortet er. Meine Augäpfel drehen sich erneut. Was ist denn nur los mit euch Jungs? Traut ihr mir den Kleinen echt nicht zu?
Klar, im Moment, in dem der Motor startet, wird man schon kurz ein wenig nervös. Da spürt man den Mythos, in den man grad eingestiegen ist, und das ist, ganz objektiv betrachtet, ein grossartiges Gefühl. Mich winken keine Polizisten raus, ich kann ungestört mit dem Flitzer durch die Landschaften düsen. Kleiner Nachteil für mich ist das Verstauen meiner Handtasche. Ja, ich weiss, das tönt klischiert, aber praktisch ist das Auto in dieser Hinsicht wirklich nicht. Da hinter mir Verstrebungen eingebaut sind, muss die Handtasche in den Stauraum unter der Motorhaube. Soll heissen: Nach fünf Minuten fällt mir ein, dass meine Sonnenbrille noch in meiner Tasche ist, und ich muss noch mal anhalten. Aber sonst lässt sich der GT3 prima fahren.

Porsche sagt, der 911 GT3 sei ein Bub. Das überrascht mich nicht. Denn Brummen und Bellen ist halt eben vor allem auch eines: Macho-Getue. Und das schüchtert mich schon lang nicht mehr ein.

Modell: 911 GT3
Motor: Aluminium-Boxer-Saugmotor
Fahrleistung: 500 PS
Höchstgeschwindigkeit: 318 km/h Masse: Länge 4.562 m, Breite 1.852 m, Höhe 1.271 m
Leergewicht: 1.430 kg Kofferraumvolumen: 125 l Benzinverbrauch: 12.7 l / 100 km
CO2-Emission: 288 g/km Energieeffizienz: G
Preis: 202 500 Franken
Infos:

Kerstin Hasse

Die Online-Reporterin interessiert sich für die Fragen, die sich ihrer Generation gerade stellen. Sie schreibt über Politik und Popkultur, über Feminismus und Gleichstellung, über Beziehungen und – typisch Millennial – manchmal auch über sich selbst.

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