Lancôme

Françoise Lehmann: Chefin von Lancôme

Text: Niklaus Müller

Françoise Lehmann: Chefin von Lancôme:
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Steht an der Spitze von Lancôme, einem Konzern, der über zwei Milliarden Euro umsetzt: Generaldirektorin Françoise Lehmann

Françoise Lehmanns Lieblingsprodukte: Augenabschminkmittel Bi-Facil, ca. 44 Fr.

Serum Advanced Génifique, ab ca. 94 Fr.

Mascara Grandiôse, ca. 47 Fr.

Rouge Absolu, ca. 45 Fr.

Schauspielerin Lupita Nyong’o wirbt neu für Lancôme. «Sie vetritt dieses neue Bewusstsein einer eigenständigen Schönheit», sagt Françoise Lehmann

In der Kosmetikindustrie gehört sie zu den ganz Grossen: Françoise Lehmann, Chefin des Beautyriesen Lancôme. Wir haben die Französin getroffen und mit ihr über Schönheit und die neuen Ansprüche der Frauen gesprochen.

Sie liebt das Velofahren, ist ein grosser Fan des französischen Kinos – besonders von Filmen von Jacques Audiard, George Lautner oder François Truffaut – und liest leidenschaftlich gerne Bücher. Aber zu all dem fehlt Françoise Lehmann momentan die Zeit, denn seit 14 Monaten kümmert sie sich als Generaldirektorin um die Kosmetikmarke Lancôme. Die gross gewachsene Französin mit den blonden, halblangen Haaren und dem offenen, freundlichen Blick arbeitet seit mehr als 25 Jahren in der Kosmetikbranche. «Ich habe 1988 bei L’Oréal angefangen und bin diesem Konzern treu geblieben, weil es nie langweilig wurde», meint die Karrierefrau. Die 51-Jährige hat die gesamte Kosmetikhierarchie bei L’Oréal durchlaufen: Produktmanagerin bei Gemey, später Marketingchefin bei L’Oréal Paris, verschiedene Jobs im Ausland und bis vor kurzem Direktorin der Haarmarke Kérastase. «Schon früh hatte ich eine grosse Entscheidungsfreiheit und Verantwortung, das hat mir sehr gefallen.»

Eine Verantwortung, in der sie sich nicht zuletzt gegenüber den Konsumentinnen sieht, wie sie am Beispiel der Haarcolorationen erklärt, für die sie zuständig war: «Eine Coloration bleibt sechs Monate im Haar, also kann man den Frauen keinen Unsinn erzählen. Sie vertrauen uns etwas für sie sehr Wertvolles an, und nur wenn wir sie nicht enttäuschen, bleiben sie uns treu. Ich habe in diesem Produktbereich enorm viel gelernt.» Überhaupt seien Haarcolorationen ein absolut faszinierendes Gebiet und überdies das schnellste und einfachste Anti-Aging-Mittel überhaupt. Eines, das sie allen Frauen ans Herz legt, allerdings nicht nur dem Konzerngewinn zuliebe: «Stellen Sie sich vor, wenn alle Frauen plötzlich aufhören würden, sich die Haare zu färben. Die Welt wäre grau! Eine Frau braucht schon sehr viel Persönlichkeit und Klasse, um graue Haare tragen zu können, wie etwa Christine Lagarde, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds.» Und Männer? «Bei ihnen finde ich graue Haare noch okay.»

L’Oréal-Konzern

Françoise Lehmann nimmt kein Blatt vor den Mund und hat ganz klare Vorstellungen von der Positionierung und dem Selbstverständnis von Lancôme. Die Firma ist mit ihren inzwischen mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz weltweit die Nummer eins im Luxussegment und der Star des L’Oréal-Konzerns. Die Weichen für diesenErfolg der bald achtzigjährigen Marke hatte bereits Françoise Lehmanns Vorgänger gestellt – mit Lancierungen wie dem Gesichtsserum Visionnaire oder dem Parfum La Vie est Belle. Allerdings sind für die Generaldirektorin die Produkte nicht der einzige Erfolgsfaktor: «Wir haben den Kontakt mit der Konsumentin wieder hergestellt, und zwar vor allem durch Aufrichtigkeit und Nähe und durch Authentizität.» Die Kundinnen wollten heute keine Regeln mehr diktiert bekommen, sie erwarteten statt dessen Hilfestellung und Begleitung: «Deshalb sehe ich unsere Aufgabe darin, der Kundin gewissermassen die Schlüssel zur Schönheit zu geben, in Form von Tools, die es ihr ermöglichen, ihren eigenen Weg zu finden.»

Françoise Lehmann versteht sich, ihre Mitarbeiter wie auch die Kosmetikbranche insgesamt nicht zuletzt als Dienstleister: «Klar, wir sind keine Ärzte, die Leben retten. Aber einer Frau zum Vergnügen zu verhelfen, sich zu pflegen und verschönern zu können, das ist eine grossartige Befriedigung. Es gibt sicher Erfindungen, die in ihrer Bedeutung für die Menschheit weitreichender sind. Aber ich bin absolut überzeugt, dass Kosmetik das Lebensgefühl der Frauen verbessert.» Und was wird Kosmetik in Zukunft leisten müssen, um diesem Anspruch gerecht zu werden? Für Françoise Lehmann stehen künftig Produkte im Mittelpunkt, die den Teint durch mehr Ausstrahlung und Ebenmässigkeit verbessern. Falten hingegen seien nicht mehr das Hauptproblem: «Inzwischen lassen sich chirurgisch und dermatologisch eine Vielzahl der Alterserscheinungen beseitigen. Und neunzig Prozent der Frauen sind heutzutage auch durchaus bereit, sich den entsprechenden Eingriffen zu unterziehen. Für die Ausstrahlung der Haut kann ein Arzt hingegen nicht viel tun. Da sind wir mit unserer Kompetenz und Expertise gefordert! Die gesunde Hautfarbe zu erhalten, die mit dem Alter verloren geht, das ist unsere Zukunft.»

Für den Herbst legt sie deshalb den Fokus auf zwei neue Seren zur Teintoptimierung. Wie hält es diese Frau mit der nach einem Vierteljahrhundert immer noch ungebrochenen Leidenschaft für die Welt der Schönheit denn privat mit der Kosmetik? Welches sind ihre Lieblingsprodukte? Neben dem Lippenstiftklassiker Absolu Rouge ist es das Serum Génifique: «Danach bin ich regelrecht süchtig! Ausserdem liebe ich die neue Mascara Grandiôse, eine eher dezente Wimperntusche, die man sehr schnell und einfach auftragen kann. Was mir sehr wichtig ist, denn ich hasse es, zu viel Zeit beim Schminken zu verlieren. Bei mir muss es besonders am Morgen schnell gehen. Unter uns: Oft beende ich mein Make-up erst im Auto …» Ausserdem ist sie ein Fan von Bi-Facil, der Augen-Abschminklotion. Unter der nun etwas mehr als ein Jahr dauernden Leitung von Françoise Lehmann ist es nicht nur auf der Produktebene zur einen oder anderen Neuerung gekommen.

Mit Lupita Nyong’o wirbt in diesem Herbst zum ersten Mal eine Schwarzafrikanerin in einer Reihe mit Stars wie Kate Winslet, Penélope Cruz oder Julia Roberts für Lancôme. War es ihre Idee, die 31-jährige Schauspielerin aus Kenia zu engagieren? «Der Vorschlag kam ursprünglich von der amerikanischen Equipe, als Lupita noch keinen Oscar hatte. Ich traf sie im Januar und begegnete einer unglaublich intelligenten, begabten jungen Frau, die dieses neue Bewusstsein einer eigenständigen Schönheit vertritt, die sich nicht an gängigen Idealen messen lassen will und muss.» Lupita Nyong’o habe sie sofort überzeugt, sie sei ein perfektes, zeitgemässes Testimonial. «Ich liebe diese Ausstrahlung von Selbstbewusstsein», begründet Françoise Lehmann ihre Wahl und ergänzt mit Nachdruck, «und von Authentizität.»

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