Autotest

Wildwest für Anfänger: Mazda 2 im Test

Text: Annik Hosmann; Foto: Flavio Leone

Mazda 2 im Test
  • Vom Temperament des Mazda 2 angetan: gamevuinhon-Praktikantin Annik Hosmann

Wie der neue Mazda 2 unsere Testerin im Hinterland von Barcelona in Wildwestlaune versetzte.

Durch die orange leuchtende Felsenlandschaft von Barcelonas Umland kurvend, fühle ich mich an die – allerdings in Andalusien gedrehten – Spaghetti-Western Sergio Leones erinnert: an wilde Verfolgungsjagden zwischen riesigen Sukkulenten und Eselherden, an Schnapsrunden in kleinen Dörfern, an gemütliches Reiten durch weite Ebenen.

Die zynischen Kommentare auf meine angekündigte Testfahrt (natürlich von Männern: «Was weisst du schon über Autos?») habe ich hinter mir gelassen; hier gibt es nur den neuen Mazda 2 und mich. Ich ergebe mich also meinen Wildwestfantasien – lonesome Cowgirl mit Wind und Staub im Haar – und sehe gerade noch rechtzeitig auf dem Navi, dass vor mir ein gemeiner Radar auf der Lauer liegt. Ich reisse also kräftig am Zaum der 115 Pferde unter der Haube. Die an sich praktische Radar-Warnfunktion ist in der Schweiz verboten, in Spanien aber hat sie mich vermutlich gerade vor einer Busse bewahrt. Denn der gute Kleine beweist auf den Geraden durchaus Sportlichkeit. Und in die Hufe gehen kann er auch ganz ordentlich.

Kurz nach diesem Zwischenfall krieche ich den Hügel hinauf, nicht hinter einer Eselkarawane her, sondern hinter einem verbeulten Lieferwagen. Der Japaner, in dem ich sitze, hat eindeutig mehr Power als der Spanier vor mir. Als die Kurven weniger werden und ein Überholmanöver nicht mehr so gefährlich ist wie ein Duell im Saloon, lasse ich die Pferde wieder laufen – und vor mir öffnet sich die katalanische Ebene. Also rein in den sechsten Gang, mit Ennio Morricones Melodien im Hinterkopf.

Später an den roten Ampeln in einem verschlafenen Örtchen habe ich Zeit, das Armaturenbrett und die Gadgets meines neuen Fortbewegungsmittels genauer zu studieren. Anders als die Film-Cowboys von damals muss ich nicht nach dem Weg fragen oder den feuchten Finger in den Wind halten, um mich zu orientieren, mich lotst das Navi: Wildwest für Anfänger. Wegen der angenehmen Grösse des Bildschirms verrenke ich mir auch nicht den Hals, ja, ich muss dank des praktischen Head-up-Displays nicht mal den Blick von der Strasse abwenden, wenn ein Spurwechsel ansteht. Auch vor von hinten nahenden dunklen Gestalten, die nicht etwa böse Banditen, sondern südländische Schwertransporter sind, werde ich gewarnt. Und so lehne ich mich im bequemen Autositz zurück – und stelle mir sternenklare Nächte vor, Lagerfeuer und Mundharmonikaklänge.

Mein Autoisch mag ja insgesamt nur von Sprachlevel A1 auf A2 gestiegen sein, aber eines habe ich trotz allem begriffen: Sich mit dem neuen Mazda 2 fortzubewegen, ist garantiert sicherer und gemütlicher als auf dem Rücken eines spanischen Gauls anno dazumal.

Modell: Mazda 2 Skyactiv-G 115
Motor: 1.5-Liter-Vierzylinder
Fahrleistung: 115 PS, von 0 auf 100 km/h in 8.7 s
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
Masse: Länge 4.06 m, Breite 1.69 m, Höhe 1.49 m
Leergewicht: 1045 kg
Kofferraumvolumen: 255–887 l
CO2-Emission: 115 g/km
Verbrauch: 4.9 l / 100 km
Effizienzklasse: C
Preis: ab 24 250 Franken
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