Heft 01/14

App-Test: Pocket Hipster

Redaktion: Julia Hofer; Text: Claudia Senn

App-Test: Pocket Hipster

Hip zu sein, ist eine anstrengende Sache, vor allem, wenn man wie ich schon 48 ist. Bis jetzt waren meine Bemühungen stets recht fruchtlos, doch das wird der Pocket Hipster ändern. Diese App beurteilt meinen Musikgeschmack und empfiehlt mir, was ich kaufen soll, um ihn zu verbessern.

Als Ratgeber stehen mir zwei animierte Hipster zur Verfügung: die versnobte Delilah Delavigne und der Schnösel Sebastian Fowler.

In der Annahme, bei einer Geschlechtsgenossin auf ein gnädigeres Urteil hoffen zu dürfen, wende ich mich zuerst an Delilah. Die hört kurz in einen Song der von mir heiss geliebten Aimee Mann hinein und setzt sogleich zu einem ersten Dolchstoss an: «Deine Musik bringt mich zum Heulen – aber nicht auf eine gute Art!» Okay, probieren wir es mit Woodkid. «Das tut ja richtig weh!», zetert Delilah und empfiehlt mir stattdessen eine Sängerin namens Lykke Li, deren Album ich gleich hier und jetzt downloaden könne.

Eine einbeinige Taube mit lahmem Flügel

Vielleicht können Delilah und ich einfach nicht miteinander. Ihre affigen Kniesocken und die Nerdbrille hätten mich gleich stutzig machen sollen. Also los, Sebastian, jetzt bist du dran, was sagst du zu den Eels, meinen Königen der Herzen, die ich verehren werde bis über das Grab hinaus? «Wenn deine Musik ein Tier wäre, dann so was wie eine einbeinige Taube mit einem lahmen Flügel.» Ich bin fassungslos. So schlimm steht es also um meinen Musikgeschmack!

Einen einzigen Versuch wage ich noch, bevor ich mich beschämt damit abfinden werde, die uncoolste Person auf Erden zu sein. The National muss Sebastian einfach gefallen! «Wenn ich mir das noch eine Sekunde länger anhören muss, ramme ich mir den nächstbesten Montblanc-Füller ins Auge!», droht er. Und was schlägt mir der kleine Musikfaschist stattdessen vor? The National! Ha! Hab ich dich, du blasierter Pixelzwerg! Du bluffst nur! Du kannst meine Musik gar nicht beurteilen, sondern bist bloss ein raffiniertes, aber hirnloses Tool der Musikindustrie. In Wirklichkeit willst du bloss eines: mir neue Songs andrehen. Die allerdings, das muss ich dir lassen, sind clever ausgewählt. Man kann bei dir tolle Musik entdecken. Ich kaufe schliesslich das Album einer Band namens Beirut. Es ist aus dem Jahr 2006, definitiv zu alt, um noch als hip zu gelten. Aber unter uns: Wen interessiert das schon?

Lebenshilfe-Apps

Alle Jahre wieder fassen wir gute Vorsätze – und alle Jahre wieder scheitern wir kläglich. Nun sollen uns Apps dabei helfen, endlich bessere Menschen zu werden. Obs funktioniert?

Hier gehts zum Dossier mit allen vorgestellten Apps

Kommentare

Empfehlungen der Redaktion

iPhone 5c

Grosse Liebe in Pink: Das neue iPhone 5c im Test

Digitale Post

Das Beste aus unserer Redaktion jede Woche in Ihrer Mailbox

Mehr aus der Rubrik

DIGITAL MOM

Werden Sie zu Mentoren für Ihre Kinder

Von Tanja Ursoleo