Schweizer Macherinnen

«Wir sind wie eine Mannschaft – um ein Tor zu schiessen, braucht es alle»

Text: Stephanie Hess; Foto: Vera Hartmann; Video: Stephanie Hess & Kerstin Hasse

Sie schmiss ihren Job als Luxusbrandmanagerin in der Kosmetikindustrie hin, um selber eine Firma zu gründen. Jetzt ist die Genferin CEO von Seedstars, das Start-ups in Schwellenländern fördert.

gamevuinhon: Warum sind Sie eine gute Chefin?
Alisée de Tonnac: Ich versuche zuzuhören. Ich sage «versuche», denn bei der vielen Arbeit ist das nicht immer möglich.

Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche?
Eigentlich immer. Ich denke immerzu an die Arbeit. Das stört mich nicht, im Gegenteil: Ich geniesse es.

Welchen Rat haben Sie nicht befolgt?
Als ich meinen sicheren Job bei einer grossen Kosmetikfirma kündigte, um selber Unternehmerin zu werden, sagten viele, dass ich die Gefahren nicht richtig einschätze. Ich habe nicht darauf gehört. Das war die beste Entscheidung, die ich bisher getroffen habe.

Wie haben Sie Ihre Stärken entdeckt?
Als ich Seedstars aufbaute. Ich lernte dabei auch, wo meine Schwächen liegen und mit welchen Personen ich mich im Wissen darum zusammentun muss.

Welches sind Ihre Schwächen?
Ich denke noch zu wenig strategisch. Ich verliere mich zuweilen in der täglichen Arbeit.

Wer war Ihr Mentor?
Der Co-Gründer meiner Firma – und mein Vater.

Was mögen Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Ganz ehrlich: mein Team.

Was mögen Sie nicht?
Fliegen, und das muss ich sehr oft. Wir sind ja weltweit mit Start-ups in Kontakt.

Was ist an Ihrem Unternehmen einzigartig?
Dass wir weltweit Wettbewerbe für junge Firmen organisieren, bei denen sie mit Experten, Investoren und Entscheidungsträgern zusammenkommen. Eine dieser Firmen ist zum Beispiel Medsaf aus Nigeria, eine sichere Medikamentenverteilungsplattform für Apotheken und Spitäler in Afrika. Sie stellte sich am Wettbewerb in Moçambique vor.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Unser Kernteam. Wir sind wie eine Fussballmannschaft: Um ein Tor zu schiessen, braucht es uns alle.

Woran sind Sie gescheitert?
An meinen Vorstellungen, dass ich einen «perfekten» Lebenslauf brauche.

Verdienen Sie gleich viel wie Ihre Kollegen?
In meiner Firma, ja.

Was braucht es in der Schweiz, damit mehr Frauen an die Spitze kommen?
Unternehmen wurden lange Zeit ausschliesslich von Männern geleitet. Diese Unternehmensstrukturen müssen besser auf die verschiedenen Bedürfnisse und Talente zugeschnitten werden, wenn sie auch für weibliche Manager passen sollen. 

Alisée de Tonnac (29) machte ihren Bachelor in Lausanne, ihren Master in Mailand. Sie lebte acht Jahre in Singapur und zwei Jahre im Silicon Valley. Nach einer einjährigen Weltreise gründete sie mit Pierre-Alain Masson Seedstars World in Genf. 2017 wurde sie von «Forbes» als eine der «30 under 30» in der Kategorie Social Entrepreneurs gekürt.

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