Tischordnung

Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag

Text: Dalma Aebischer; Foto: Gabi Vogt

Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag
e
f

Der Speiseraum

Die Stoffwerkstatt, in der die Frauen kreativer Arbeit nachgehen können

Eine Zelle in der Strafanstalt Hindelbank

Ein Aufenthaltsraum 

Dalma Aebischer sitzt eine mehrjährige Haftstrafe in der Strafanstalt Hindelbank ab. Sie berichtet für uns regelmässig aus dem Gefängnisalltag.

Vieles im Gefängnis unterliegt festen Regeln, die nirgendwo geschrieben stehen, und doch scheint sie jeder zu kennen. Zum Beispiel die Sitzordnung im Esssaal, die so streng reglementiert ist wie bei einer Hochzeitsgesellschaft: An jedem der drei Tische in meiner Wohngemeinschaft können acht Frauen Platz nehmen. Tisch eins ist der Schweizer Tisch mit den Urgesteinen. Die Anführerin, eine korpulente Drogensüchtige, gibt mehr oder weniger subtil den Tarif durch. An diesem Tisch isst man leise und kultiviert. Es gibt nichts Besonderes zu erzählen.

Tisch zwei ist der Balkantisch: Serbinnen, Bulgarinnen, Rumäninnen, Albanerinnen. Die meisten essen wenig, weil sie die Schweizer Küche nicht mögen. Raclette, Geschnetzeltes und Gerstensuppe sind ihnen fremd. Auch die Roma-Frauen sitzen hier. Sie sind meist sehr jung, noch Mädchen fast, und sie sorgen mit ihrer Lebendigkeit für gute Stimmung am Tisch. Manche können kaum lesen und schreiben, sprechen aber mehrere Sprachen fliessend. Etliche sind schwanger. Eine 24-Jährige, die bereits sechs Kinder hat, erzählt mir, sie habe erst hier im Gefängnis begriffen, dass man von ungeschütztem Sex schwanger werden könne. Zuvor hatte sie ihre vielen Kinder als eine Laune Gottes betrachtet.

Links an der Wand steht der dritte Tisch, an dem die Latino-Frauen sitzen. Auch eine Deutsche und eine Afrikanerin haben hier Platz gefunden. Die Latinos reden viel, laut und schnell. Vor dem Essen beten sie. Die meisten sprechen kein Wort Deutsch. Ich bin froh, wenn ich mit einer von ihnen für ein Küchen-Ämtli eingeteilt bin, denn sie erledigen die Arbeit rasch und ohne zu murren.

Dalma Aebischer (Name geändert) wurde wegen qualifizierter Freiheitsberaubung und Entführung sowie Erschleichung einer Falschbeurkundung verurteilt.

Ein Porträt über sie und die Hintergründe ihrer Tat finden Sie hier.

Die älteren Briefe aus dem Gefängnis finden Sie hier:

Nr. 1. Der erste Tag

Nr. 2: Arbeit

Kommentare

Empfehlungen der Redaktion

Wie ist es eigentlich

Als Unschuldige im Gefängnis

Von Jennifer Bosshard

Mehr aus der Rubrik

Das Kompliment

Liebe Amal Alamuddin Clooney

Von Gina Sergi