Alltag in der Zelle

Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag

Text: Dalma Aebischer; Foto: Gabi Vogt

Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
Brief aus dem Gefängnis: Der fünfte Tag
e
f

Ein Aufenthaltsraum

Der Speiseraum

Die Stoffwerkstatt, in der die Frauen kreativer Arbeit nachgehen können

Eine Zelle in der Strafanstalt Hindelbank

Dalma Aebischer sitzt eine mehrjährige Haftstrafe in der Strafanstalt Hindelbank ab. Sie berichtet für uns regelmässig aus dem Gefängnisalltag.

Heute gibt es Eiscrème, sagt eine Insassin bei einer Zigarette, morgens nach dem Aufstehen. Glace ist eines der vielen Dinge, die draussen selbstverständlich sind, nicht aber hier drin. Wir rauchen wortlos weiter. Die Sonne sucht noch ihren Weg hinter den Dächern hervor, doch die Luft glüht bereits. Es ist Gefängnissommer, in einigen Stunden beginnt das Wochenende. Freitags arbeiten wir nur bis zwölf. Die Arbeitsplätze, Toiletten und Flure werden geputzt. Die Stimmung ist meistens gut, Musik läuft, man darf ein bisschen mehr miteinander sprechen.

Freitags kommt Fisch auf den Tisch. Und nachmittags ist alle zwei Wochen Märit. So nennt man den schäbigen, im düsteren Untergeschoss platzierten kleinen Laden, der dazu dient, unsere heimlichen Wünsche zu erfüllen. Man kann hier mehrere Sorten Schokolade kaufen, Guetsli, Papeterie- und Drogerieartikel sowie einige Lebensmittel wie Eier, Käse, Wurst oder Rahm. Nach Wohngemeinschaften geordnet dürfen wir den Laden betreten, in kleinen Gruppen und ohne Jacken und Taschen. Geklaut wird trotzdem. «Wir sind hier im Knast, Mädchen, und nicht am Kindergeburtstag», sagt eine ältere Junkiefrau, als ich sie beim Stibiizen beobachte. Im Winter gibt es ein grösseres Guetsli-Sortiment und Marzipan, im Sommer Glace. Manche kaufen sich sogar zwei und essen die erste gleich auf dem Rückweg zur Wohngemeinschaft. Jede schleppt Getränke, Cola im Sechserpack und Mineralwasser. Der erste Märit nach dem Zahltag, den wir hier Pekulium nennen, fällt opulenter aus, dann hat jede noch genügend Geld. An den zweiten Märit im Monat können jene, die ihr Geld nicht einteilen konnten, nicht mehr hingehen. Sie schauen den anderen beim Glace-Essen zu. Noch wichtiger als die Eiscrème sind jedoch die Telefonkarten, die es hier zu kaufen gibt. Gleich nach dem Märit beginnen Marathontelefongespräche. Freunde und Familie freuen sich.

Dalma Aebischer (Name geändert) wurde wegen qualifizierter Freiheitsberaubung und Entführung sowie Erschleichung einer Falschbeurkundung verurteilt.

Ein Porträt über sie und die Hintergründe ihrer Tat finden Sie hier.

Die älteren Briefe aus dem Gefängnis finden Sie hier:

Nr. 1. Der erste Tag

Nr. 2: Arbeit

Nr. 3: Tischordnung

Nr. 4: Knastkost

Kommentare

Empfehlungen der Redaktion

Tischordnung

Brief aus dem Gefängnis: Der dritte Tag

Digitale Post

Das Beste aus unserer Redaktion jede Woche in Ihrer Mailbox

Mehr aus der Rubrik

Frauenstreik

Warum auch Medienschaffende streiken

Von Kerstin Hasse