Arbeitsplatz in der Strafanstalt

Brief aus dem Gefängnis: Der zweite Tag

Text: Dalma Aebischer; Foto: Gabi Vogt

Brief aus dem Gefängnis: Der zweite Tag
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Stoffwerkstatt Anstalt Hindelbank

Ein Aufenthaltsraum 

Der Speiseraum

Eine Zelle in der Strafanstalt Hindelbank

Dalma Aebischer sitzt eine mehrjährige Haftstrafe in der Strafanstalt Hindelbank ab. Sie berichtet für uns regelmässig aus dem Gefängnisalltag.

Die Einsamkeit der ersten Tage habe ich genossen. Noch hielten mich meine Beziehungen warm, noch war ich nicht wirklich im Gefängnis angekommen. Ich wurde ärztlich untersucht, nahm an einer Informationsveranstaltung teil. Man versprach mir, bei der Zuteilung des Arbeitsplatzes meine Wünsche und Neigungen zu berücksichtigen. Ich will kreativ arbeiten. Bloss keine stupide, monotone Tätigkeit, die meine Hirnzellen in dieser trostlosen Umgebung noch schneller austrocknen lässt!

Es gibt hier eine Tonwerkstatt, in der wir, von Arbeitsagogen angeleitet, Schalen, Katzen- oder Vogelfiguren für den Garten herstellen. Ein Teil der Arbeiten wird beim Weihnachtsmarkt, der alljährlich in der Adventszeit stattfindet, verkauft. Andere Arbeiten gehen an auswärtige Auftraggeber. In der Stoffwerkstatt stricken wir Schals oder Mützen und nähen Stofftaschen und Kinderkleider. Eine eigene Abteilung webt Küchentücher und Teppiche. Das Auge freut sich, wenn man sich im Stoffwerk umschaut. Überall bunte Stoffe, Fäden und Wollknäuel – in der Ödnis der grauen Umgebung ist das eine willkommene Abwechslung.

Wer im Biowerk arbeitet, muss hartgesotten sein, denn hier ist man immer draussen, in der Sommerhitze, bei strömendem Regen, bei winterlichen minus 10 Grad. Es gibt mehrere Gewächshäuser, in denen Cherrytomaten, Peperoni und Salat gedeihen. Wenn ich nicht so bequem wäre, würde mir diese Arbeit gefallen.

Auch die Küchenarbeit ist nicht schlecht. Man paniert Fleisch, bereitet Salat zu, zaubert ein kleines Gebäck als Dessert für die Mittwochabende. Allerdings steht man den ganzen Tag in der dampfenden Küche – sogar an den Samstagen, an denen andere Gefangene freihaben. Zur Arbeit gehört auch die Essenszuteilung. Man beliefert zweimal am Tag mit einem grossen Wagen die Wohngemeinschaften.

Das Packwerk wäre ein Horror für mich. Briefumschläge zukleben, Kartonschachteln zusammenbauen – furchtbar langweilig und anspruchslos. Der Job im Waschwerk ist hart: Wäsche falten, sortieren, bügeln, mangeln, das alles im Stehen und in grosser Hitze. Als Ausgleich gibt es interessanten Klatsch und Tratsch, man erfährt hier alles über jeden. Zu guter Letzt bleibt noch die Putztruppe. Sie reinigt alles, ausser den Zellen. Die Jobs beim Hauswirtschaftsdienst sind begehrt. Putzen tröstet, sagen die Frauen. Mir graut davor.

Ende der Woche erfahre ich, dass ich am Montag in der Tonwerkstatt anfangen kann, und erhalte drei weisse Overalls als Arbeitskleidung. Ich hätte es schlechter treffen können.

Dalma Aebischer (Name geändert) wurde wegen qualifizierter Freiheitsberaubung und Entführung sowie Erschleichung einer Falschbeurkundung verurteilt.

Ein Porträt über sie und die Hintergründe ihrer Tat finden Sie hier.

Die älteren Briefe aus dem Gefängnis finden Sie hier:

Nr. 1: Der erste Tag

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