Das Kompliment

Liebe Amy Schumer

Text: Kerstin Hasse; Foto: GettyImages

Amy Schumer Hochzeit Kompliment

Am Dienstag haben Sie Ihren Freund, den Koch Chris Fischer, in Malibu geheiratet. Das ist natürlich nicht der Grund, warum ich dieses Kompliment verfasse, aber Ihre, wie es scheint spontane Eheschliessung, hat damit zu tun.

Die Bilder zur Hochzeit haben Sie nicht für Unsummen an eine Zeitschrift verkauft, nein, Sie haben sie wenige Tage nach der Hochzeit auf Ihren Instagram-Account hochgeladen. Und als ich diese romantischen und mitunter auch sehr lustigen Schnappschüsse sah, wusste ich, dass ich diesen Text Ihnen widmen möchte. Denn Bodenständigkeit war schon immer ein Charakterzug, den ich an Menschen besonders schätze.

Erst seit Kurzem haben Sie die Beziehung zu Fischer öffentlich gemacht. Grund genug für die Klatschpresse, um in Aufruhr zu geraten. Blitz-Hochzeit der Stand-Up-Comedian! Nach! Nur! Drei! Monaten! Beziehung! Kurz und knapp hielten Sie in einem weiteren Post fest, dass Sie nicht schwanger sind. Ausserdem baten Sie, Geschenke zu unterlassen und das Geld besser für die Nichtregierungsorganisation «Everytown for Gun Safety» auszugeben, die sich für mehr Sicherheit im Umgang mit Schusswaffen in den USA einsetzt. 

Die Paparazzi werden nun in den nächsten Monaten vor Ihrem Haus lauern und auf Trennungsgerüchte hoffen. Natürlich ist es vermessen, aus dieser Distanz Ihre Beziehung zu beurteilen. Ich kenne Sie nicht, ich kenne Ihren Mann nicht – ich habe keine Ahnung, ob Sie zueinanderpassen. Ich kann nur diese Fotos anschauen und denken: Diese Menschen, die sehen glücklich aus.

Vielleicht liegt es am Valentinstag und all den verliebten Insta-Posts in meinem Feed, vielleicht an der Tatsache, dass ich zurzeit fast ununterbrochen Elvis Presley höre, aber im Moment bin ich besonders empfänglich für Liebe. Und auch wenn ich selbst nicht weiss, ob ich je heiraten will, liebe ich es, an Hochzeiten zu gehen. Leider steht in diesem Jahr keine Einladung zu einer Hochzeit für mich an. Erst vor ein paar Tagen versuchte ich am Mittagstisch meine Kolleginnen voller Verve davon zu überzeugen, doch bald zu heiraten und mich zur Party einzuladen. Niemand hat sich dazu bereit erklärt.

Amy Schumer, ich wäre gern bei Ihrer Hochzeit dabei gewesen. Denn die Bilder, die Sie mit Ihren sechseinhalb Millionen Follower teilten, sehen nicht nach aufgebrezelter Hollywood-Hochzeit aus, sondern nach ordentlich viel Spass und – verzeihen Sie den schnulzigen Unterton, Elvis ist Schuld – nach Liebe. Man sieht, wie Sie mit Ihren Comedy-Kolleginnen Claudia O’Doherty, Aidy Bryant und Vanessa Bayer in die Kamera strahlen, wie Schauspielerin Jennifer Lawrence Sie zärtlich auf die Stirn küsst und im nächsten Bild mit Ihnen über die Tanzfläche tänzelt, wie Sie Ihren Vater im Rollstuhl umarmen und natürlich, wie Sie gerührt und verliebt Ihren Mann herzen.

Es überrascht nicht, dass Sie auf diese Weise geheiratet haben. Dass Sie nicht nur Bilder teilen, auf denen Sie perfekt ausgeleuchtet sind, sondern auch solche, in denen Sie mal ein Doppelkinn haben und recht unprätentiös am Mikrofon stehen. Sie sind bekannt dafür, Klischees zu brechen. In einer Welt, in der alle nach Perfektion streben, betonen Sie Ihre Unperfektion. Und auch wenn ich Ihren letzten Filmen nicht sehr viel abgewinnen konnte, werde ich Sie immer dafür schätzen, dass Sie so ein selbstbewusstes Frauenbild in die Welt hinaustragen. 

Ich stelle mir gerne vor, dass Sie sehr bodenständig sind, aber wenn ich ehrlich bin, weiss ich gar nicht, wie viel Bodenständigkeit in Ihrer Branche überhaupt möglich ist. Aber ich glaube – und das gilt nicht nur für Stars – dass man einfacher durchs Leben geht, wenn man sich selbst nicht so ernst nimmt. Das tun Sie. Der beste Beweis dafür ist, dass Ihnen Ihre beiden Hunde die Ringe überbrachten, geschmückt mit einer Tüllschleife. Das richtige Mass an Ironie für den eigenen Hochzeitstag. 

Sich zu verlieben ist nicht einfach, die Liebe zu halten noch viel schwieriger. Ich kann mir vorstellen, dass die Hollywood-Blase noch alles komplizierter macht. Ich hoffe, dass Sie und Ihr Mann die Klatschpresse eines Besseren belehren.

Und dass Sie verdammt glücklich werden.

Herzlich,
Kerstin Hasse

 

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Kerstin Hasse

Die Online-Reporterin interessiert sich für die Fragen, die sich ihre Generation gerade stellt. Sie schreibt über Politik und Popkultur, über Feminismus und Gleichstellung, über Beziehungen und – typisch Millennial – manchmal auch über sich selbst.

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