Das Kompliment

Liebe Steff la Cheffe

Text: Jessica Prinz; Foto: Ellen Mathys

Liebe Steff la Cheffe

Am Open Air St. Gallen vor fünf Jahren beschwingten Sie mit Ihren Hits das Publikum, in dem auch ich mich befand. «Ha ke Ahnig, ha ke Ahnig, ha ke Ahnig, chumme chumme nit drus.», sangen und tanzten alle mit Ihnen. Ich fand Sie damals schon sympathisch, mochte Ihre Musik und bewunderte Ihren lustvollen Umgang mit der Sprache. Bis heute gefällt mir aber besonders Ihre Bodenständigkeit.

Als 13-Jährige, noch ein paar Jahre früher also, hätte ich deshalb nur zu gerne jemanden wie Sie als Vorbild gehabt. Damals orientierte ich mich an den ständig präsenten Rapperinnen wie Missy Elliott und Mary J. Blige, um selbstsicherer zu wirken, lief mit Baggy Jeans und Cap rum und zog mir Hip-Hop und Rap-CDs rein, um cool zu sein. Mein Auftritt bewirkte genau das Gegenteil – was vielleicht auch ein wenig daran liegt, dass Coolness von innen kommen muss. Viel mehr aber lag das daran, dass diese Frauen – und das weiss ich eben erst heute – mit ihrer protzigen Art und ihrem fast machohaften Getue überhaupt nicht meinem Charakter entsprechen. Damals wäre es schön gewesen, jemanden wie Sie auf dem Schirm gehabt zu haben. Jemanden, der zeigt, dass nicht lässige Kleider und grosse Sprüche Coolness ausmachen.

Sie hingegen geben mir das Gefühl, dass Sie sich in der Männerdomäne nie wegen Ihres Geschlechtes unter Beweis stellen müssen. Sie überzeugen mit grossem Talent, grossem Mundwerk und grossem Selbstbewusstsein, nicht mit Style. Wie cool ist das denn! Sie machen, worauf Sie gerade Bock haben, sind vielseitig und wandelbar. Mal geschminkt und auf High Heels, dann wieder in Turnschuhen und Jeans unterwegs. Mal mit afrikanischen Beats im Hintergrund, dann wieder fast bünzlig im Mani-Matter-Stil. Mal kommt Ihre freche Seite zum Vorschein, mal die sensible und verletzliche. Aber immer verfolgen Sie das gleiche Ziel: Sie wollen, subtil und unaufdringlich, auf Themen aufmerksam machen, über die man reden sollte. In Ihren oft provokativen und sozialkritischen Texten geht es um Umweltprobleme, Globalisierung, Frauenrechte und Konsumwut. Dinge, die Sie beschäftigen. Genau wie mich. Bedingungslos und deutlich stellen Sie Ihren Standpunkt klar, beziehen auf eine offene Art Stellung, auch zu unbequemen Themen. Dies jedoch ohne die typische Rapper-Attitüde, ohne vorzugeben, allwissend zu sein. Das versuche ich auch.

Nach fünf Jahren sind Sie nun wieder zurück mit einem neuen Album. Fünf Jahre, in denen Sie viel erlebt haben und gewachsen sind, was sich sicher auf Ihre Musik auswirkt. Mir geht es genauso. Auch bei mir hat sich in den vergangenen Jahren viel getan und ich bin gespannt, wie ich jetzt auf Ihre Musik reagieren werde. Ich glaube aber, wir werden uns immer noch gut verstehen. 

Peace out,
Jessica Prinz

Jessica Prinz ,
Reportagen-Praktikantin

Die Reportagen-Praktikantin mag allerlei Menschen und erzählt gern deren Geschichten – am liebsten multimedial. Sie plädiert für weniger Scheuklappengefühl beim Spaziergang durch die Welt und reist besonders gern nach Osteuropa.

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