Editorial

Lieber nackt als blossgestellt

Foto: Karin Heer

Editorial von Silvia Binggeli: Lieber nackt als blossgestellt

gamevuinhon-Chefredaktorin Silvia Binggeli über Nacktfotos, Bilder im Internet und Emma Holtens Geschichte.

Nacktbilder von mir im Netz entdecken? Eine schreckliche Vorstellung! Vor allem, wenn ich sie nicht selber hinaufgeladen hätte, was ich nicht tun würde.

In Zeiten von Social Media ist man ja oft nur einen Klick von der Schamlosigkeit entfernt. Auf Facebook, Instagram & Co. wundere ich mich, wie viel Privates die Leute mit Hund, Kind und Kegel, beim Coiffeur, in der Wanne und beim Küssen von sich geben. Auch ich bin nicht gegen die Lust der Selbstinszenierung gefeit. Aber ich versuche mir vorzustellen, welches Millionenpublikum mitschauen könnte, bevor ich ein Bild poste. Das vergisst man ja leicht, wenn man entspannt in der intimen Stube vor dem Computer sitzt und nichts Böses denkt.

Ebenso leicht ignoriert man die Welt, wenn man verliebt ist. Mit Schmetterlingen in Bauch und Kopf lässt man sich zu Verrücktheiten hinreissen, zum Glück. In prickelnden Momenten vielleicht sogar dazu, den Partner Nacktbilder von einem machen zu lassen, ganz darauf vertrauend, dass, was für zwei bestimmt ist, auch im kleinen Rahmen bleiben wird.

Dann geht die Verliebtheit vorbei, die Liebe auch, der andere dreht durch und stellt die Bilder rachelustig ins Netz. So passierte es der Dänin Emma Holten, die im Internet unerwartet mit ihrer Nacktheit konfrontiert wurde und jahrelang diskriminierende Reaktionen und Kommentare ertragen musste.

Da bleibt nur der frustrierte Rückzug? Emma Holten ist in die Offensive gegangen: Um auf die Gefahr von Sexting – einer Form von Cybermobbing – hinzuweisen, hat sie ein feministisches Webmagazin gegründet, sich von einer Fotografin nackt ablichten lassen und Bilder nach ihrem Gusto veröffentlicht. Offen lachend wirkt die heute 23-Jährige darauf ihrer einstigen Naivität entgegen.

Mut und Selbstbestimmung, die ich bewundere. Und in Richtung des Ex-Freundes von Emma Holten hebe ich schamlos den Finger – nicht den kleinen.

Herzlich!

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