Schweizer Popszene mit Frauenproblem?

«Eine absolute Frechheit von Swiss Music Awards»

Text: Kerstin Hasse, Leandra Nef

«Diese Frage in den Raum zu stellen, ist eine absolute Frechheit»
«Diese Frage in den Raum zu stellen, ist eine absolute Frechheit»
«Diese Frage in den Raum zu stellen, ist eine absolute Frechheit»
«Diese Frage in den Raum zu stellen, ist eine absolute Frechheit»
«Diese Frage in den Raum zu stellen, ist eine absolute Frechheit»
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Evelinn Trouble

«Nur schon die Frage in den Raum zu stellen, ob Schweizer Musikerinnen sich überhaupt wünschen, auf Bühnen zu stehen, empfinde ich als absolute Frechheit. Ich finde es entsetzlich, dass diese Frage vonseiten der Swiss Music Awards gestellt wird. Jede Künstlerin und jeder Künstler – völlig unabhängig vom Geschlecht – will gehört werden und auftreten. Ob man eine Frau oder ein Mann ist, bestimmt nicht, ob man an den SMA spielen kann, das Kriterium ist, ob man dem Mainstream entspricht oder nicht. Mit so einem Nebenevent möchte man meiner Meinung nach von dieser Diskussion, die eigentlich noch viel grösser und wichtiger wäre, aus dem Weg gehen. Ich wäre deshalb nicht für eine Quote, sondern für neue Kategorien, die andere Genres berücksichtigen – zum Beispiel Acts, die nicht bei einem grossen Label unter Vertrag sind oder Jazz oder elektronische Musik. Es passiert so viel Spannenderes unter dem Radar.» 

Foto: Micha Freutel 

Lea Lu

«Ich bin seit Jahren Gast bei den Swiss Music Awards und bin immer wieder überrascht, wie wenig Frauen dort als Show Act auftreten. Es gibt so viele grossartige Musikerinnen, die performen könnten: Valeska Steiner von Boy, Evelinn Trouble, Daniela Sarda. Wo bleiben die? Auch unter den Gästen gibt es jeweils nur wenige Frauen – ganz zu schweigen von den Gewinnern. Darum bin ich auch klar für eine Frauenquote, vor allem bei den Liveacts: Hälfte-Hälfte, ganz einfach. Die Swiss Music Awards haben eine grosse Reichweite, sie könnten mit gutem Beispiel vorangehen. Denn auch Konzert- und Festivalveranstalter müssten mehr Frauen engagieren. Eines steht fest: Wir als Musikerinnen – und wir als Frauen – wollen stärker wahrgenommen werden.»

Foto: Franco Tettamanti

Bibi Vaplan

«Ob sich Schweizer Musikerinnen wünschen, dass mehr Frauen auf der SMA-Bühne stehen? Natürlich! Alles andere wäre absoluter Quatsch! Von den Organisatoren der Swiss Music Awards wünsche ich mir aber nicht nur mehr Frauen im Rampenlicht, sondern auch allgemein mehr Vielfalt und Offenheit. Die Schweiz hat so viele verschiedene Facetten, das sollte sich auch an den SMA zeigen.»

 

Ursina

«Ich bewege mich mit meiner Musik in der Indie-Szene. Die Swiss Music Awards dagegen sind eine Party der Major Labels wie Sony und Universal. Was ich aber sicher sagen kann: Frauen werden in der Musikszene generell zu wenig wahrgenommen. Für eine Quote an Award Shows bin ich trotzdem nicht – ich möchte vermeiden, dass Leute denken, dass wir unsere Preise nur dank einer Quote gewinnen. Für Festivals dagegen würde eine Quote durchaus Sinn machen. Übrigens glaube ich, dass sich für Frauen in der Branche in den nächsten Jahren einiges zum Besseren verändern wird: Organisationen wie ‘Helvetiarockt’ sorgen dafür, dass junge Musikerinnen stärker gefördert werden.»

Foto: Angelika Annen

Daniela Sarda

«Ob ich mir wünsche, dass mehr Frauen an den Swiss Music Awards auftreten und gewinnen? Auf jeden Fall! Es gibt so viele talentierte Musikerinnen, die gerne die Möglichkeit hätten, an einer Award Show aufzutreten. Allerdings glaube ich auch, dass es ein gesellschaftliches Problem ist, dass viel weniger Frauen im Rampenlicht stehen als Männer – und nicht nur ein Problem der Swiss Music Awards. Männer haben vielleicht einen stärkeren Wettbewerbsdrang, sie ‘ellenbögeln’ mehr.»

Unter den 39 Nominierten der Swiss Music Awards 2018 sind nur sechs Frauen. Die Organisatoren fragen sich derweil, ob Frauen überhaupt stärker auf der Bühne repräsentiert sein möchten. Wie reagieren Schweizer Musikerinnen auf diese Provokation?

«Es wäre wünschenswert, dass wir mehr Frauen auf der Bühne haben, die Frage ist aber: Ist denn das auch gewünscht von Schweizer Musikerinnen?», fragt Oliver Rosa, Direktor der Swiss Music Awards (SMA), im Interview mit gamevuinhon.info. Mit der Nebenveranstaltung «SMA Presents», zwei Tage vor der grossen Show am 7. Februar, thematisieren die Organisatoren die Unterrepräsentation von Frauen am Hauptevent und fragen: «Hat die Schweizer Popmusik ein Frauenproblem?» Wir haben bei Schweizer Musikerinnen nachgefragt. 

Leandra Nef

Auf dieser Welt gibt es noch so viele Geschichten zu erzählen! Das freut die Junior Online Editor, die Neues entdecken, verstehen, hinterfragen und natürlich darüber schreiben möchte. Unkonventionelle Lebensentwürfe und das Thema Reisen interessieren sie besonders.

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