jüdisches Filmfestival

Auf diese Filme freuen wir uns

Text: Kerstin Hasse, Viviane Stadelmann, Leandra Nef, Jessica Prinz

«Scaffolding»
  • «Scaffolding»

    Auflehnung gegen den Vater: Der rebellische Teenager Asher sucht nach Halt und findet in seinem Lehrer ein Vorbild 

Zum vierten Mal startet heute das jüdische Filmfestival Yesh!. Das Programm ist auch dieses Jahr wieder vielfältig – wir haben fünf Filme ausgesucht, auf die wir uns besonders freuen.

Bis zum 21. März werden in den Zürcher Kinos Uto und Houdini 28 Filme gezeigt, darunter fünf Dokumentationen. Das Festival will das jüdische Sein und Wirken in den Fokus stellen, wie der Direktor der Filmtage, Michel Rappaport, im Programmheft festhält. Neben zahlreichen Schweizer Premieren werden auch Klassiker gezeigt, wie etwa «Schindler's List» oder «Au Revois, les Enfants.»

 

1945

Es ist August 1945, im kleinen ungarischen Dorf steht eine Hochzeit bevor. Es soll ein frohes Fest werden, doch dann kommt alles anders. Zwei Männer steigen aus dem Zug, ein jüdischer Vater und sein Sohn – beide Überlebende des Holocaust. Die Ankunft der beiden bringt Ängste an die Oberfläche, die fast vergessen waren. Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem am Jerusalem-Filmfestival 2016 als bester Film.

 

Scaffolding

Der Novellist und ehemalige Literaturlehrer Matan Yair hat in «Scaffolding» selbst Erlebtes umgesetzt. Die Hauptrolle übernimmt sein ehemaliger Schüler, gedreht wurde an Originalschauplätzen. Die Geschichte handelt vom 17-jährigen Schüler Asher, der vor allem durch Wutausbrüche auffällt, die ein Zeichen seiner Rebellion gegen seinen strengen Vater sind. Erst seine Bewunderung für seinen Literaturlehrer Rami und dessen Fachgebiet bringt eine neue Seite an ihm hervor.

 

Death of a Poetess

In «Death of a Poetess» werden die zwei Frauen Lenny und Yasmin porträtiert, die auf den ersten Blick nicht nur wegen ihres grossen Altersunterschieds sehr verschieden erscheinen. Doch beide Frauen kämpfen mit Rollenbildern, deren Erwartungen sie erdrücken, beide Frauen leiden. Es sind Sehnsucht und Schmerz, welche sich durch den Film ziehen und dieses schwarz-weisse Kammerspiel so eindrücklich nachhallen lassen.

 

Foxtrot

«Ihr Sohn Jonathan wurde heute Nacht an der Front getötet.» Michael Feldmann und seiner Frau Daphna wird eines Nachts eben diese Nachricht überbracht. Während die Mutter aus Verzweiflung sofort zusammenbricht, bekommt der Vater in seiner Wut die militärische Anweisung, alle 60 Minuten etwas Wasser zu trinken, um über den Schock hinwegzukommen. Die Trauer wird aber durch die stündliche Erinnerung seines Handyalarms auch nicht einfacher. Der tragischkomische Antikriegsfilm aus dem Jahr 2017 setzt sich kritisch mit der israelischen Armee auseinander und wurde deswegen sehr kontrovers diskutiert.

 

Wajib

Der in Rom lebende Architekt Shadi ist zu Besuch in seinem Heimatort Nazareth. Er soll seinem Vater dabei helfen, die Einladungen zur Hochzeit seiner Schwester persönlich zu überbringen – das ist in Palästina Tradition. Doch während der Besuche bei Verwandten und Freunden kommen so allerlei Unstimmigkeiten ans Licht. «Wajib» ist ein witziger und gleichzeitig ernsthafter Film über die Tücken einer Vater-Sohn-Beziehung, der mit Sticheleien und doppeldeutigen Bemerkungen gespickt ist. Die Schauspieler Saleh Bakri und Mohammed Bakri sind übrigens auch im echten Leben Vater und Sohn.

Jessica Prinz ,
Reportagen-Praktikantin
Alle Beiträge von Jessica Prinz

Kommentare

Empfehlungen der Redaktion

Schluss damit!

Yolocaust: Denkanstoss oder bloss Effekthascherei?

Von Silvia Princigalli

Mehr aus der Rubrik

Schweizer Macherinnen

«Ich suche Anonymität»

Von Jacqueline Krause-Blouin