Academy Awards

Das Wichtigste von den Oscars

Text: Kerstin Hasse; Foto: GettyImages

Oscars 2018 Francis McDormand
  • Frances McDormand:

    «Schauen Sie sich um, wir alle haben eine Geschichte zu erzählen!»

Die Academy Awards sind 90 geworden – und haben diesen runden Geburtstag der Gleichstellung gewidmet. Die Gänsehautmomente fehlten aber. 

Eine solide Show ging in Los Angeles gestern Nacht über die Bühne, die grossen Wow-Effekte blieben aber aus. Der Gewinner des Abends ist der Film «The Shape of Water» von Guillermo del Toro. Der Film wurde 13-mal nominiert und erhielt mit 4 Auszeichnungen in den Kategorien Beste Filmmusik, Bestes Produktionsdesign, Beste Regie und Bester Film die meisten Trophäen.

Nach einem Jahr von Bewegungen wie «Time's up» und «Me too» blieben natürlich auch an den Acadamy Awards die politisch gefärbten Kommentare nicht aus, vor allem von Seiten der Laudatorinnen und Laudatoren. Aber das alles wirkte noch immer ein wenig aufgesetzt – das zusammengeschnittene Me-too-Filmchen, das während der Verleihung gezeigt wurde, machte es nicht besser. Die Euphorie fehlte. Nach 90 Jahren ist Hollywood anscheinend tatsächlich an einem Punkt angelangt, an dem Gleichberechtigung und Inklusion keine Fremdwörter mehr sind – nun muss es der Branche nur noch gelingen, deshalb nicht in eine Depression zu verfallen. Gleichberechtigung geht auch stimmungsvoll!

Dass «The Shape of Water» als bester Film ausgezeichnet wurde, überrascht nicht. Das SciFi-Märchen plädiert für mehr Toleranz, gleichzeitig ist der Streifen aber eben doch einfach ein romantischer Fantasyfilm, der nicht aneckt und niemandem weh tut. Die Filme «Get out» von Jordan Peele oder Greta Gerwigs «Lady Bird» waren ebenfalls Anwärter für den Preis. Sie auszuzeichnen, wäre der weitaus mutigere Schritt gewesen. Aber so weit ist Hollywood dann halt doch noch nicht. Die Acadamy Awards wollen vielfältiger werden, das haben sie gestern Nacht oft genug betont. Jetzt müssen sie das nur noch – ein wenig authentischer als dieses Jahr – umsetzen. 

Die grossen Gänsehautmomente fehlten, wer die Oscars also live nicht mitverfolgt hat, hat nicht viel verpasst. Die vier wichtigsten Momente haben wir für Sie zusammengefasst: 

Frances McDormand: «Erweist mir die Ehre und steht auf»

Die Schauspielerin erhielt einen Oscar als beste Hauptdarstellerin im Film «Three Billboards outside Ebbing, Missouri». In ihrer Dankesrede forderte sie alle nominierten Frauen im Saal auf, sich zu erheben, egal ob Schauspielerin, Kamerafrau, Komponistin oder Produzentin. «Okay, meine Damen und Herren, schauen Sie sich um, denn wir alle haben Geschichten zu erzählen und Projekte, die Finanzierungen benötigen. Redet nicht heute mit uns auf den Parties, sondern ladet uns in eure Büros ein, oder kommt in unser Büro – wie es euch besser passt.» Sie schloss mit den Worten «Inclusion Rider», die für eine geforderte Vertragsklausel stehen, die unter anderem Geschlechterdiversität in der Filmbranche gewährleisten soll. 

Gary Oldman: «Setz den Tee auf, ich bringe Oscar mit nachhause»

Der 59-jährige Schauspieler galt als grosser Favorit für den Oscar als bester Hauptdarsteller, und er war es auch, der die goldene Figur auf der Bühne abholen durfte. Ausgezeichnet wurde Oldman für seine Darstellung von Winston Churchill im Film «Darkest Hour». Hollywood liebt Verwandlungen, und Oldmans Transformation in den ehemaligen britischen Premier ist tatsächlich beeindruckend. In seiner Dankesrede wandte sich Oldman an seine Mama, die «99 Jahre jung» sei. «Vielen Dank für deine Liebe und deine Unterstützung. Setz schon mal den Tee auf, ich bringe Oscar mit.» 

Faye Dunaway und Warren Beatty dürfen es noch Mal versuchen

Der Moment der Oscarverleihung letztes Jahr ist in die Geschichtsbücher eingangen: Warren Beatty verkündet, dass «La La Land» als bester Film ausgezeichnet wird. Während der Dankesrede der Filmemacher wird es plötzlich unruhig auf der Bühne. Schliesslich verkündet Produzent Jordan Horowitz, dass seine Crew nicht gewonnen hat. «Das ist kein Scherz, «Moonlight» hat gewonnen.» Selten hat man im Oscar-Publikum so viel erstaunte Gesichter gesehen. Wie sich herausstellte, hatten die beiden den falschen Umschlag erhalten. Dieses Jahr durften die Laudatoren nochmals auftreten, und Dunaway und Beatty wurden mit grossem Applaus empfangen. «Vielen Dank, es ist schön, Sie alle wiederzusehen», sagte Beatty und erntete einige Lacher. Danach lief alles wie am Schnürchen, «The Shape of Water» wurde ausgezeichnet – und durfte den Oscar behalten. 

«Oscar ist der beliebteste Mann Hollywoods»

Jedes Jahr werden die Acadamy Awards von einem Monolog der Gastgeberin (die letzte Frau war übrigens Ellen De Generes, die die Verleihung 2013 moderierte) oder des Gastgebers eröffnet. In diesem Monolog werden die Höhepunkte und Tiefpunkte des letzten Jahres nochmal durchgespielt – und zwar mit der nötigen Bissigkeit. Bereits zum zweiten Mal stand Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel auf der Bühne, und er nahm sich dieses Jahr vor allem der Ereignisse rund um Harvey Weinstein und der Me-too-Bewegung an. «Oscar ist der beliebteste und am meisten respektierte Mann Hollywoods. Und es gibt einen guten Grund dafür. Er hat seine Hände dort, wo man sie sehen kann. Er sagt nie ein unanständiges Wort. Und vor allem, er hat keinen Penis.» Hollywood sei regelrecht ahnungslos, wenn es um Frauen gehe, sagte er weiter: «Wir haben einen Film gemacht, der ‹Was Frauen wollen› heisst, und Mel Gibson spielt die Hauptrolle. Mehr muss man gar nicht darüber wissen.» Und schliesslich gratulierte Kimmel noch Guillermo del Toro für seinen Film «The Shape of Water». «Du hast einen wunderbaren Film gemacht, und dank dir werden wir uns immer an dieses Jahr erinnern. Das Jahr, in dem Männer es so sehr vermasselt hatten, dass Frauen sich in Fische verliebten.» 

 

Kerstin Hasse

Die Online-Reporterin interessiert sich für die Fragen, die sich ihrer Generation gerade stellen. Sie schreibt über Politik und Popkultur, über Feminismus und Gleichstellung, über Beziehungen und – typisch Millennial – manchmal auch über sich selbst.

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