New York Marathon

Marathon in NYC - Sarah rennt

Text: Jim Kämmerling und Sarah Buschor; Fotos: Katja Heinemann

New York in (L)aufregung: Der Startschuss zum Marathon fällt auf der Verrazano Bridge (
«Go honey!»: Sarah im pinken gamevuinhon-Shirt bei Kilometer 36
Congrats! Finisher Sarah Buschor schafft Rang 21 009 und das Kunststück, auch nach 42 Kilometern noch toll auszusehen
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New York in (L)aufregung: Der Startschuss zum Marathon fällt auf der Verrazano Bridge (

«Go honey!»: Sarah im pinken gamevuinhon-Shirt bei Kilometer 36

Congrats! Finisher Sarah Buschor schafft Rang 21 009 und das Kunststück, auch nach 42 Kilometern noch toll auszusehen

gamevuinhon-Moderedaktorin Sarah Buschor hatte einen Traum: Einmal den New York Marathon laufen. Weil diese 42.195 Kilometer so anders sind als überall sonst auf der Welt. Protokoll einer atemberaubenden Erfahrung.

gamevuinhon-Moderedaktorin Sarah Buschor hatte einen Traum: Einmal den New York Marathon laufen. Weil diese 42.195 Kilometer so anders sind als überall sonst auf der Welt. Protokoll einer atemberaubenden Erfahrung.

2 Tage vor dem Marathon

15.55 Uhr
Sarah hat den Flug nach New York fast hinter sich. Acht Stunden, mehr oder weniger durchgeschlafen. Nur einmal wacht sie kurz auf, genau in dem Moment, als nach fünf Stunden überm Meer endlich Land in Sicht ist. Neufundland. Sarah zückt ihr iPhone und hält den Augenblick fest. Übermorgen ist der grosse Tag. Sie wird zum ersten Mal einen Marathon laufen – und dann gleich den New Yorker, die berühmteste Strecke der Welt.

«Cabin crew, ready for landing in a few minutes.» Das Flugzeug zieht eine grosse Schleife über New York, am Horizont sieht Sarah das Häusermeer, die berühmten Strassenquadrate und eine kleine grüne Fläche namens Central Park. Von hier oben sieht die Marathonstrecke gar nicht so lang aus …

16.15 Uhr
Immigration. Vier Stunden muss Sarah dafür anstehen! So eine Menschenschlange hat sie hier noch nie gesehen – alle mit Laufschuhen an den Füssen. Klar, sie ist nicht die Einzige, die zum Marathon anreist. 47 000 Läufer aus aller Welt werden erwartet. Endlich ist sie an der Reihe. Der Beamte will viel wissen: wie lange sie schon rennt, wie oft sie rennt, was sie sonst so sportlich macht. Offenbar will er ein Gefühl dafür kriegen, ob hier eine als Marathonläuferin verkleidete Schweizer Terroristin vor ihm steht. Am Ende lächelt er und gibt gütig seinen Stempel.

20.30 Uhr

Taxi, Taxi! Sarah freut sich auf die Fahrt Richtung Manhattan, die man aus vielen Filmen kennt. Es ist dunkel geworden. In der Ferne leuchtet die Skyline. Wieder ein Moment, um das iPhone zu zücken. Aber Manhattan muss noch einen Tag auf Sarah warten. Heute wird sie in Brooklyn übernachten, bei Emiko, einer guten Freundin.

23.30 Uhr
Der Jetlag macht sich bemerkbar. Sarah zwingt sich, wach zu bleiben. Sie schaltet die innere Uhr auf die amerikanische Zeitzone um – und kocht mit Emiko gut gelaunt Pasta. Die beiden Freundinnen haben sich jede Menge zu erzählen. Plötzlich fallen die Augen zu. Gute Nacht, New York!

Der Tag davor

6.30 Uhr
Sarah ist früh wach, macht sich erst mal einen Kaffee. Dann schickt sie ein SMS an Jim. Das bin ich. Ich soll Sarah bei ihrem Abenteuer begleiten. Ich bin ihr Schatten, das ist der Plan.

Mich interessiert, was ein zierliches Modemädchen dazu bringt, den härtesten Marathon der Welt zu rennen. Eine spannende Sache, denn: Ich kenne Sarah gar nicht. Wir werden uns gleich zum ersten Mal begegnen.

9.15 Uhr
Cafe Gitane. Hier trifft sich die Szene. Hier frühstücken all die verkaterten Typen, die man in der Nacht davor an einer der «wichtigen» Partys getroffen hat. Sarah kommt zur Tür rein. Sie gibt mir schon den New Yorker Hug. Die Umarmung gilt ganz New York, glaube ich. Wir verstehen uns auf Anhieb und quasseln gleich drauflos. Vermutlich wird im Cafe Gitane zum ersten Mal übers Marathonlaufen geredet.

Sarah erzählt, was sie schon alles erlebt hat. Sie war joggen in der Nähe des Columbus Circle. Dort ist das Zielgelände der Laufstrecke. An der Tafel, wo dramatisch «Nur noch 200 Meter» draufsteht, ist sie locker vorbeigerannt. Das wird morgen anders sein. Dann hat sie an der Stelle bereits 42 Kilometer hinter sich. Unglaublich!

Sarah ist ja keine Hochleistungssportlerin, sondern Moderedaktorin. Jeans, Lederjacke, flache Schuhe – so, wie sie vor mir sitzt, würde man nicht vermuten, dass sie morgen zum Gewaltmarsch quer durch die Stadt ansetzt. Zwei Jahre lang war sie bei der deutschen «Vogue», dann beschloss sie, zurück nach Zürich zu ziehen, um bei gamevuinhon zu arbeiten. Sarah weiss, was sie will. Ich mag ihre Bescheidenheit. Wir bestellen noch mal zwei Latte (ausgesprochen: Lattey), das Lieblingsgetränk der New Yorker.

Wir verabreden uns für heute Nachmittag, dann kommt die nächste Station auf dem Weg zum grossen Tag.

17.30 Uhr
Sarah holt ihre Startnummer. Wir fahren zur Vergabestelle an der 38. Strasse. Menschenmassen, Verkehr, Polizei, Billboards mit «Do it»-Slogans. Hier trifft sich nun das fitte New York. Das New York, das New-Balance-Schuhe und tief sitzende Yankee-Mützen trägt – und morgen durch die Stadt rennt. Wir gehen in die grosse Halle rein, und fremde Menschen begrüssen uns, nicken uns zu. Sarah registriert sich und bekommt ihre Startnummer 40-976. Jetzt ist sie Teil der grossen New Yorker Familie, die sich morgen um 6 Uhr treffen wird. Jetzt wäre ich plötzlich auch gern dabei.

20 Uhr
Abendessen mit einem Freund von Sarah, der zufällig auch gerade in der Stadt ist. Pasta und ein Glas Rotwein. «Ich kann Pasta schon bald nicht mehr sehen », sagt Sarah. «Seit Wochen esse ich nur Pasta, wegen der Kohlehydrate.» Kräfte sammeln.

22.10 Uhr
Ab ins Bett. Beim Einschlafen denkt Sarah: Ich glaube, ich realisiere erst jetzt wirklich, was ich mir vor ein paar Wochen an einem lauen Spätsommerabend eingebrockt habe.

Sarahs grosser Tag

4.30 Uhr
Der Wecker klingelt. Sarah wäre auch ohne rechtzeitig aufgewacht, sie hat unruhig geschlafen. Im Traum ist sie die Strecke immer wieder gerannt: Start auf Staten Island, dann quer durch alle Stadtteile, über fünf Brücken, am Ende zum Central Park, bis zur «Tavern on the Green». Sie wird nervös. Wird sie es schaffen? Wird sie vielleicht sogar mit einer guten Zeit durchs Ziel rennen? «gamevuinhon» steht auf ihrem T-Shirt. Sie will ihr Ehre machen, auch wenn in New York keiner so richtig weiss, wer dieser mysteriöse Sponsor ist.

6 Uhr
Mit Bussen geht es vom Hotel zum Startgelände Fort Wadsworth, Staten Island.

Eine Minute vor Abfahrt, bereits im Bus, merkt Sarah, dass sie ihre Stoppuhr vergessen hat … und sprintet nochmals ins Hotelzimmer zurück – schweissgebadet. Jetzt nur nicht den Bus verpassen! Die Fahrt ist atemberaubend. Ein unvergessliches Bild: die New Yorker Skyline bei Sonnenaufgang. Hunderte von Bussen drängen sich über die Verrazano Bridge, die nach 7 Uhr für den normalen Verkehr gesperrt wird. 47 000 Läufer müssen an den Start transportiert werden.

7.15 Uhr
Ankunft an der Startlinie. Sarah wird aufgefordert, sich in den sogenannten Corral zu begeben. Soundtrack: Frank Sinatras «New York, New York». Ich wünsche Sarah viel Glück. Wir umarmen uns. Jetzt ist jeder Läufer allein. Jeder rennt sein Rennen, jeder erfüllt seinen Traum. Ich werde sie (hoffentlich) an der Ziellinie wiedersehen.

Sarahs Protokoll

10.10 Uhr
Eine Kanone gibt den Startschuss. Drei Sekunden nehme ich mir, mitten auf der Verrazano Bridge, und schaue mich um: der Hafen von New York, die Freiheitsstatue, die Brooklyn Bridge. Ein historischer Moment. Ich begreife noch nicht ganz, dass ich mich gerade auf den ersten hundert Metern einer Strecke befinde, die noch 42 Kilometer weitergehen wird.

00:57:41 (bisherige Laufzeit)
Ich laufe an Afrobands, Highschool- Blasorchestern und Saxofonisten vorbei. Die Zuschauermenge feuert uns an. Gänsehaut. Da ruft jemand meinen Namen. Ich schaue mich um – meine Freundin Emiko, die einen Luftsprung macht und winkt.

Ich bin unendlich motiviert, trotzdem versuche ich, einen kühlen Kopf zu bewahren – und immer genügend zu trinken.

02:02:43
Zwanzig Kilometer liegen hinter mir. Die Halbmarathonmarke. Ich renne über die Queensborough Bridge, die allein 2.5 Kilometer lang ist. Sie will nicht enden. Sie hat eine unmerkliche, fiese Steigung. Gefühlte Temperatur: minus zehn Grad. Wind. Ich spüre erste Anzeichen von Erschöpfung. Trotzdem: Ich bin zuversichtlich. Ein Läufer vor mir will aufgeben. Er wird von den Zuschauern motiviert weiterzulaufen. Weiter, weiter!

02:57:14
Richtung Bronx. 30 Kilometer habe ich schon geschafft. Die Sonne brennt. Ich quäle mich von Wasserstation zu Wasserstation. «Hey Annabelle, bist du gut drauf?», fragt der Amerikaner hinter mir. Er bittet erschöpft, ob er sich bei mir «anhängen» darf. Am Strassenrand sehe ich riesige Plakate, eines trägt die Aufschrift «Schmerz ist Zeitverschwendung!». Der Marathon führt durch die Bronx. Hip-Hop dröhnt aus Riesenboxen. Feuerwehrmänner auf ihren Trucks rufen mir zu «Go honey – go Annabelle!».

03:31:02
Central Park. Noch sieben Kilometer. Ich versuche jetzt, die letzte Etappe in vollen Zügen zu geniessen. Am Columbus Circle renne ich am Schild «Noch 200 Meter bis zum Ziel» vorbei (déjà vu). Ein kleiner Schlusssprint. Ich fliege … ich fliege … ich lande … geschafft! Die Freude ist riesig!

04:16:44 (am Ziel)
Glücksgefühle! Menschenmassen am Strassenrand jubeln uns zu. Ich sehe Jim und Emiko. Sie umarmen mich und überreichen mir einen Blumenstrauss. Es ist schön, Gesichter zu sehen, die mich kennen und die mir gratulieren. Die Fussgelenke tun höllisch weh. Keine Ahnung, wie ich je die Treppe zum Hotel hinaufkommen werde.

Der Tag nach dem grossen Tag

Das Wort hat wieder Jim.
9.30 Uhr
Wir treffen uns im guten alten Cafe Gitane. Die Partypenner schlürfen Lattey. Aber die Heldin des Tages ist Sarah. Sie lächelt, immer noch ein bisschen erschöpft – aber glücklich. Sie hat die «New York Times» mitgebracht. Die Ausgabe listet alle Läufer namentlich auf, die es unter 5 Stunden geschafft haben: Sarah Buschor ist dabei!

04:16:44 – Sarah Buschor

Auf der Liste rangiert eine weitere Läuferin aus der Stylewelt:
04:20:47 – Christy Turlington

Christy Turlington, der Star der Supermodelära. Autorin des Buchs «Living Yoga. Mein Weg zu Ausgeglichenheit und Schönheit». 4 Minuten langsamer als Sarah. Ein Punkt für die Moderedaktorin von gamevuinhon. Darauf einen Lattey.

Exklusiv: Startplätze für den NY-Marathon 2012

Albis Reisen Zürich organisiert seit 22 Jahren Reisen zum New York City Marathon inkl. garantierter Startnummer & Vorbereitungsseminar. Der am 4. November stattfindende New York City Marathon 2012 ist zwar bereits ausgebucht. Albis Reisen hat für interessierte gamevuinhon-Leserinnen einige wenige Startplätze reserviert, inkl. Pauschalreise und Betreuung.

Und so werden Sie Teil des internationalen Lauferlebnisses durch New York City:

Schicken Sie bis 14. Februar ein Mail mit dem Vermerk «gamevuinhon» an: [email protected].
Kosten der Pauschalreise: ca. 3200 Fr. (unverbindliche Preisangabe).

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