Christa de Carouge

Abschied von einer Ikone

Text: Leandra Nef; Foto © DE NIZ

Abschied von einer Ikone

Modeschöpferin Christa de Carouge ist am Dienstag nach kurzer Krankheit gestorben. Die «Dame en Noir» hat die Schweizer Modewelt jahrzehntelang geprägt.

Die Schweizer Kostümdesignerin und Modeschöpferin Christa de Carouge ist tot. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, ist die 81-Jährige am Dienstag nach kurzer Krankheit überraschend gestorben. Christa de Carouge hat die Mode mit ihren schlichten, schwarzen Designs über Jahrzehnte geprägt und diese weit über die Schweizer Grenzen hinaus verkauft.

«Christa de Carouge war nie eine Designerin im glamourösen Sinne, sie war eine Schöpferin, eine Kleidermacherin. Eine der wenigen dazu, die eine schwierige Balance meisterte: Dass ihre Entwürfe zeitlose Klassiker waren und gleichzeitig einen Hauch von Avantgarde versprühten. Das Wort Trend kam ihr nicht auf den Tisch, Saisons spielten keine Rolle, Geschlecht nur sehr bedingt. Eine Ansicht, die langsam, sehr langsam, auch immer mehr Designer von heute interessiert. Diese Frau, so sanft und liebenswert im Umgang, war in Bezug auf Mode im Grunde eine Radikale. Sie hätte eigentlich Christa de Courage heissen müssen.», sagt Jacqueline Krause-Blouin, stellvertretende Chefredaktorin von gamevuinhon.

Kulturredaktorin Claudia Senn fügt hinzu: «'Auf keinen Fall ins Altersheim! Auf keinen Fall ein Légume werden!', sagte mir Christa de Carouge, als ich sie vor einigen Jahren porträtierte. Dann lieber mit Exit abtreten und vorher noch eine ordentliche Party schmeissen! Genauso unerschrocken wie sie über ihren Tod sprach, hatte sie sich immer ins Leben gestürzt. Sie war ein in vielerlei Hinsicht unschweizerisches Original: grossherzig, kompromisslos und von überschwänglicher Sinnesfreude. Nun ist sie nach einer kurzen Krebserkrankung zu Hause gestorben. Farewell, Christa!»

Seit November widmet das Kunsthaus Zug der «Dame en Noir» eine Retrospektive. Ihr Schaffen wird darin in einer Gesamtschau zusammengefasst. Christa de Carouges Installationen laden die Besucher noch bis zum 18. Februar zum «Anfassen, Überziehen und Umhängen» ein. Ein grosses Experiment und «der Höhepunkt und Abschluss meiner beruflichen Tätigkeit», sagte sie noch zu Beginn der Ausstellung.

Christa Furrer, wie Christa de Carouge mit bürgerlichem Namen hiess, wurde 1936 in Basel geboren und wuchs in Zürich auf. In den Sechziger-Jahren begann sie sich für Modedesign zu interessieren. Ihr erstes eigenes Atelier eröffnete sie 1978 in Genf, genauer im Vorort Carouge, der ihr zu ihrem Künstlernamen verhalf. 1983 zeigte sie ihre erste Kollektion ganz in Schwarz. Als sich Carouge im Jahr 2013 aus der Modewelt zurückzog, trat das Label De Niz ihr Erbe an. Hinter De Niz steckt Deniz Ayfer, eine langjährige Schneiderin und Vertraute der Designerin, die das typische Schwarz mit ihren eigenen Schnitten und Formen kombiniert und Carouges einzigartigen Stil weiterleben lässt. Das Geschäft De Niz Couture Design hat seinen Standort an der Mühle Tiefenbrunnen in Zürich.

Kommentare

Empfehlungen der Redaktion

Zum Tod von Christa de Carouge

«Kleider sind Häuser für den Körper»

Von Jacqueline Krause-Blouin

Mehr aus der Rubrik

Modelschwestern

So feiern die Mansers Weihnachten

Von Julia Heim