Kampf gegen Magerwahn

Frankreich ordnet Attest für Models an

Redaktion: Tanja Ursoleo, Viviane Stadelmann; Fotos: Imaxtree

Frankreich ordnet Gesundheitstest für Models an
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Models dürfen ab Oktober in Frankreich ohne Gesundheits-Attest nicht mehr auf den Laufsteg

 

Magere Models – hier bei Givenchy 2015 

In verschiedenen europäischen Ländern gab es bereits Vorstösse, um Magermodels vom Laufsteg zu verbannen. In Frankreich gilt es jetzt ernst: Ab Oktober tritt eine Verordnung in Kraft, bei der alle Models über ein Gesundheits-Attest verfügen müssen.

In Frankreich wurde bereits Ende 2015 eine  erlassen, welche Magersucht und ungesunden Rollenstandards in der Modebranche den Kampf ansagt. Gemäss Gesetz müssen jetzt ab Inkrafttreten am 1. Oktober 2017 alle Models über eine Bescheinigung vom Arzt verfügen, in dem Sie ihre gesundheitliche Kondition ausweisen. Im Zentrum der Beurteilung steht dabei der BMI (BodyMass-Index). Damit sollen untergewichtige Models weder auf dem Laufsteg noch für Fotoshootings oder als Kampagnenmodel arbeiten dürfen. Wer dennoch Models ohne Bescheinigung einstellt, hat mit einer Strafe von 75'000 Euro und sechs Monaten Gefängnis zu rechnen.

Des weiteren müssen Kampagnen- und Werbeanzeigen ab Oktober künftig mit einem Hinweis versehen werden, wenn die Models auf den Abbildungen retuschiert wurden. Damit sollen verzerrte Schönheitsideale von Jugendlichen gestoppt und eine mögliche Suchterkrankung verhindert werden.

«Ich bin nicht sicher, ob sich etwas ändern wird»

gamevuinhon-Paris-Korrespondentin Tanja Ursoleo bezweifelt aber die tatsächliche Durchsetzungskraft der Verordnung: «Ich persönlich glaube nicht, dass sich mit diesem Dekret etwas ändert. Die Formulierung des Gesundheits-Attests ist eher vage – welche Normen gelten da? Jede Frau ist anders gebaut. Ich denke, die Häuser werden auch die entsprechenden Ärzte finden, die ihnen die gewünschten Atteste für die Models ausstellen.»

Dabei stört sie sich selber an den Schauen an der fehlenden Vielfältigkeit: «Schade finde ich, dass zu wenig Diversität in der Mode gezeigt wird. Jede und jeder ist anders und einzigartig. Das sollte man häufiger zeigen und zelebrieren. Ich fand deshalb die FW-2017-Show von Dries van Noten so toll, da waren junge und ältere Models zu sehen. Aber in der Branche scheint noch immer ein anderer Tenor zu gelten, wie Karl Lagerfeld in einem Radiointerview einst sagte: «Die Leute wollen das Schöne sehen, nicht das Normale». Ich bin nicht sicher, ob ich mit ihm da einverstanden bin.», sagt Tanja Ursoleo.

Viviane Stadelmann

Die stellvertretende Online-Leiterin liebt die grenzenlosen Möglichkeiten der digitalen Welt. Sie schreibt besonders gern über die kleinen und grossen Absurditäten des Alltags, genauso wie über Mode, Literatur und Kunst.

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