Blockchain Innovation

Luxusmarken: Nur echt mit Chip

Text: Tanja Ursoleo 

Luxusmarken: Nur echt mit Chip Lukso Blockchain
Luxusmarken: Nur echt mit Chip
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Marjorie Hernandez Vogelsteller, Gründerin von Lukso

Das Berliner Start-up Lukso entwickelt eine Blockchain-Plattform, die die Echtheit von Designartikeln überprüfbar machen soll. Co-Gründerin Marjorie Hernandez Vogelsteller erklärt, wie die neue Technologie das Fake-Problem der Luxusmarken lösen könnte.

Kryptowährungen sind aktuell das bekannteste Anwendungsgebiet für die Blockchain-Technologie. Aber besonders industriespezifische Anwendungen sind im Vormarsch. Das Berliner Start-up Lukso entwickelt an einer übergreifenden Blockchain-Plattform, die unter anderem die Authentizität von Luxus-Artikeln absolut überprüfbar machen soll. Lukso Co-Gründerin Marjorie Hernandez Vogelsteller erklärt uns im Interview, wie diese Technologie funktioniert.

gamevuinhon: Normalerweise bin ich als Käuferin auf der sicheren Seite, wenn ich im Secondhandshop oder auf einer bekannten Plattform eine gebrauchte Luxustasche kaufe. Oft wird sogar ein manueller Authentifikationsservice für die entsprechenden Artikel geboten, da kann ich davon ausgehen, dass die Tasche echt ist?
Marjorie Hernandez Vogelsteller: Heute bekomme ich eine Plastikarte mit einem Zahlencode, im Produkt ist ein QR-Code angebracht, oder eine Plattform bürgt mit Experten für die Authentizität eines Luxusartikels. Als Verkäuferin kann ich möglicherweise diese Karte verlieren, als Käuferin besteht die Möglichkeit, dass diese Karte gefälscht, der Code einfach kopiert ist oder sich ein Experte täuscht. In einer Blockchain kann man jeden Artikel individuell digital registrieren. Ein einzigartiger Chip, der nicht dupliziert werden kann, wird beim Fabrikationsprozess in die Produkte implementiert. Jedes Produkt erhält damit eine neue digitale Existenz, die Identität, Herkunft, die wechselnden Besitzer und den Herstellungsprozess festhält. Ein permanentes und ständig aktualisiertes Register des Besitztums.

Nehmen wir an, ich kaufe auf der Plattform Lukso oder bei einem Luxushaus, welches die Blockchain-Technologie verwendet, eine Luxustasche. Wie läuft das ab?
Sagen wir, ich verkaufe meine Hermès-Tasche, die sich in einem Safe in der Schweiz befindet, und Sie kaufen sie. Da sich die digitale Identität der Tasche in der Blockchain befindet wissen Sie, dass die Tasche existiert, echt ist und ich die aktuelle Besitzerin bin. Ich kann Ihnen die digitale Identität der Tasche übertragen, Sie bezahlen, die Transaktion ist unmittelbar und kostet ein paar Cent. Wir können diese Transaktion direkt miteinander abwickeln, und ich kann Ihnen Zugang zu diesem Safe geben, ohne dass ich selber vor Ort bin. Um die Transaktion über die Bühne zu bringen, müssen wir uns weder sehen noch kennen oder vertrauen. Das übernimmt alles die Blockchain-Struktur, in der wir uns gemeinsam befinden und interagieren.

Muss ich dazu Kryptowährung besitzen, in diesem Fall den Lukso-Token LYX, um zu bezahlen?
Im Moment bauen wir die Benutzeroberfläche so auf, dass man Transaktionen auch ohne Kryptowährungen ausführen kann. Du könntest mir die Tasche also auch per Paypal bezahlen.

Nun habe ich die Tasche abgeholt. Wie kann ich sicher sein, dass es sich um die versprochene Tasche handelt?
Der implementierte Chip beruht auf einem kryptografischen Verfahren und kann mit einer App über dein Smartphone gelesen und die gekaufte Tasche damit authentifiziert werden.

Eine bekannte Secondhandplattform wie Vestiaire Collective garantiert Authentizität durch manuelle Expertenkontrolle und lässt sich diesen Service von den Verkäufern teuer bezahlen. Werden solche Plattformen im Secondhandluxusmarkt bald durch eine Blockchain ersetzt?
Das ist denkbar, wohl aber nicht in der unmittelbaren Zukunft, es gibt ja die ganzen Produkte, die bereits auf dem Markt sind und nicht über einen Chip, also eine digitale Identität, verfügen. Klar ist, dass wir im Moment für solche Transaktionen über diese Plattform gehen: Wir vertrauen der Plattform, dass sie für uns die Produkte authentifiziert. Aber wenn uns die Blockchain-Technologie ein Netzwerk bietet, in dem wir die Produkte digital identifizieren und authentifizieren können, werden wir diese Transaktionen auch direkt, ohne Drittinstanz, durchführen können.

Im Moment gibt es zahlreiche Blockchain-Projekte, auch einige in der Modebranche. Wie wird sich Lukso gegen die Konkurrenz in der Modeindustrie durchsetzen?
Die Authentifikation ist nur ein Anwendungsbereich von Lukso, wir bauen zudem eine komplett eigenständige Struktur mit übergreifenden Standards, die sich hoffentlich in der Modeindustrie durchsetzen können. Mitgründer Fabien Vogelsteller ist ein bekannter Ethereum-Entwickler in der Blockchain-Space und hat bereits massgeblich zur Entwicklung von Tools und Applikationen beigetragen sowie erfolgreich wichtige Standards für die Branche entwickelt. Wir bieten eine Blockchain-Plattform für mehrere Parteien, sodass beispielsweise sogar konkurrenzierende Luxusgruppen unabhängig voneinander diese Blockchain-Technologie nutzen und darüber ihre eigenen Anwendungen wie Smart Contracts implementieren und ausführen können.

 

Wie funktioniert die Blockchain-Technologie?

Eine Blockchain ist vereinfacht gesagt ein Kassenbuch, indem Transaktionen festgehalten und registriert werden. Wobei das Kassenbuch nicht beim Buchhalter oder auf einem einzigen Server befindet, sondern verteilt auf mehreren Rechnern in einer Kette aufeinander folgenden Blöcken gespeichert wird. Verifiziert wird das Ganze von den Minern, die Buchhalter der Blockchain. Der Vorteil ist die Transparenz, die in der Blockchain validierten und gespeicherten Transaktionen und Informationen sind für jeden jederzeit einsehbar und können nicht mehr verändert oder manipuliert werden. Blockchain ist besonders da stark, wo mehrere Parteien miteinander interagieren wollen, die sich nicht unbedingt vertrauen.

Tanja Ursoleo ,
Pariskorrespondentin
Alle Beiträge von Tanja Ursoleo

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