Apropos Mode

Ungeteiltes Leid

Text: Jacqueline Krause-Blouin; Foto: RompHIM Official

Männer in Romper
  • Ein ironischer Fashionfail bleibt ein Fashionfail: Männer in Rompers von RompHIM

Unsere stellvertretende Chefredaktorin Jacqueline Krause-Blouin ist absolut dafür, dass Männer in der Mode ihre verspielte Seite entdecken. Bloss bitte nicht in einem Strampelanzug. 

Was haben Jumpsuit, Overall, Onesie, Latzhose, Playsuit und Romper gemeinsam? Sie bestehen aus einem Stück. Genau, kein Gürtel nötig, und glauben Sie nicht, dass das die Sache auf der Toilette einfacher macht. Romper heisst aus dem Englischen übersetzt Strampelanzug, womit wir bereits beim Problem wären. Denn neuerdings sind die süssen Ganzen zurück – und zwar nicht nur an zahnlosen Einjährigen und quietschenden Influencerinnen beim Coachella-Festival. Nein, an erwachsenen Männern. Auf die schwachsinnige Idee der Romper-Renaissance kamen ein paar Designstudenten aus Chicago, die nichts Besseres zu tun hatten, als dem Strampler für den Mann mit dem originellen Namen RompHIM (Wortwitz, Sie verstehen) eine Kickstarter-Kampagne zu widmen. Traurigerweise äusserst erfolgreich, denn aus den angepeilten 10 000 Dollar Crowdfunding wurden unglaubliche 353 804.

Historisch gesehen begann die einteilige Tragödie um 1700 als Arbeiteruniform, fand dann irgendwann den Weg von amerikanischen Farmern zu Mechanikern, Ronald McDonald, Tupac, den Chippendales und Will Smith in der «Prince von Belair». Sind Arbeiter-Latzhosen, wenn man nicht arbeitet, schon schlimm genug, ist der Romper mit seinen kurzen Hosenbeinen der Gipfel der Idiotie. Und wie eigentlich bei allen unnötigen Trends, ist am Ende mal wieder Rihanna schuld. Sie zeigte in ihrer Spring/Summer 18 Fenty x Puma Show grüne Overalls für den Mann. Der Romper (um unsere Augen noch weiter zu quälen, kommt er neuerdings auch noch in diversen Pastellfarben daher) ist nur die tragische Weiterentwicklung beziehungsweise Zurückentwicklung davon.

Ich bin absolut dafür, dass Männer ihre verspielte Seite entdecken, gerade wenn es um Mode geht. Aber wenn meiner Verabredung im Restaurant statt der Wein- die Kinderkarte gereicht wird und das Date zum Playdate wird, muss ich meine Grenze ziehen. Und kommen Sie mir nicht wieder mit dem Humor! Der Romper ist nicht lustig. Ich werde auch nicht müde werden, das zu predigen, also müssen Sie schon aufhören zu lesen, um mir zu entkommen: Ein Fashionfail im Namen der Ironie bleibt ein Fashionfail. Und ein Mann braucht zwei Teile. Mindestens.

Jacqueline Krause-Blouin

Die stellvertretende Chefredaktorin interessiert sich für Mode, Musik, Theater und alle Facetten der Popkultur. Und für aussergewöhnliche Frauen: berühmt oder berüchtigt, tot oder lebendig.

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