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Postkarte aus Civita

Text und Fotos: Roger Wehrli
Erstellt: 19. März 2010

Civita will entdeckt werden
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Civita will entdeckt werden

Ein fast normales süditalienisches Städtchen: In Civitas Gassen wird Albanisch gesprochen und in den Kirchen auf Griechisch gepredigt.

Der Rede wert: In den Strassen wird Albanisch gesprochen, in der Kirche auf Griechisch gepredigt: Willkommen im italienischen Civita, einem historischen Multikulti-Städtchen in den Bergen Kalabriens.

Die Gassen sind gerade breit genug, um einen Esel oder einen Cinquecento durchzulassen. Kaum eine Bausünde stört das idyllische Dorfbild. An den Hängen des süditalienischen Monte-Pollino-Massivs gelegen, sitzt das kalabrische Städtchen Civita wie ein Adlerhorst auf einer Felsnase, wo sich eng die alten Steinhäuser aneinander drängen. Von hier überblickt man eine Landschaft voller schroffer Bergkanten und Schluchten, sonnendurchfluteter Olivenhaine und ausgedehnter Oleanderwälder. Irgendwo in der Ferne liegt das Meer.

Ein ganz normales italienisches Bilderbuchstädtchen? Nicht ganz. Denn die meisten Menschen sprechen hier nicht Italienisch – sondern Albanisch. Oder zumeist beides. An der kleinen Dorfschule wird zweisprachig unterrichtet, die Messe in der Kirche gar auf Griechisch gelesen. Hinter den sieben Hügeln: Civita, ein fast normales italienisches StädtchenNicht dass in den letzten Jahren eine Völkerwanderung stattgefunden hätte. Diese vollzog sich bereits vor 550 Jahren: Die Arbereschi, wie sich die Einheimischen in Civita nennen, sind Nachfahren von Albanern, die 1448 vor dem Ansturm der Türken über die Adria nach Süditalien geflohen waren. In der Abgeschiedenheit der kalabrischen Berge überdauerte ihre Kultur und Sprache bis heute.
Schlafen

Il Belvedere
Via Cavallotti 27,
Tel. 0039 098 17 32 32,
, DZ mit Frühstück ab 90 Fr.

Ein besonders schönes Bed & Breakfast in einem historischen Gebäude mit vier rustikalen Zimmern. Wie überall steigen auch hier in der Hochsaison die Zimmerpreise.

La Ginestra
Via Cavallotti 19/21,
Tel. 0039 098 17 32 32,
, DZ ab 90 Fr.
B&B, das vom selben Anbieter wie das «Belvedere» betrieben wird.
Essen

Obwohl es zum Meer nur zwanzig Kilometer sind, findet man auf den Speisekarten weder Fisch noch Muscheln. Dafür hausgemachte Pasta, Pilze, Würste, Wildschwein und Oliven. Gleichermassen ungekünstelt ist der Wein.

Ristorante Agorà
Piazza Municipio 30, Tel.
0039 098 17 34 10,
, Montag ist Ruhetag

Spezialität sind die Antipasti: Achtung, nicht zu viel bestellen! Es wäre schade, die hausgemachten Teigwaren mit Namen wie Strangulë oder Rrashkatjelë darf man nicht verpassen. An Wochenenden unbedingt einen Tisch reservieren!

Pizzeria Pino Loricato
Tel. 0039 333 82 86 321, Dienstag ist Ruhetag

Zum Restaurant oberhalb des Städtchens nimmt man die Strasse am Ortsausgang, biegt rechts in Richtung Friedhof ab, und bleibt auf dieser Strasse. Nach vier Kilometern ist man am Ziel. Die Küche ist so regional wie saisonal, doch auch Pizzaliebhaberinnen kommen voll auf ihre Kosten.

Erleben

Nationalpark Monte Pollino

Auf der selben Strasse, die zum «Pino Loricato» führt, gelangt man auch in den Nationalpark. Sie endet auf 1200 Meter über Meer. Hier kann man zu Fuss weiter: Entweder in die knorrigen Eichenwälder, oder man kann bizarre Felsen erklimmen. Wer hoch hinaus will, besteigt den Monte Pollino (2250 m) oder den Dolce Dorme.

Ponte del Diavolo

Ein Fussweg führt hinab zur Raganelloschlucht. Sie gilt als die längste des Appeningebirges. Ein Blick von der berühmten Teufelsbrücke lässt einen schwindlig werden. Unten am Bach empfielt sich ein kleines Picknick inmitten von Oleanderwäldern.

Strand

Die Fahrt ans Meer dauert eine halbe Stunde. Erst kommt man nach Francavilla, wo die Ebene beginnt. Von dort geht alles geradeaus bis nach Villapiana Lido. An den schier endlosen Stränden hat es ausserhalb der Hochsaison verschwenderisch viel Platz.

Shoppen

Fahrender Händler

Wer frisches Gemüse und saftige Früchte mag, sollte den fahrenden Händler nicht verpassen, der sich vormittags durch lautes Gehupe bemerkbar macht und mit Hilfe eines Megafons lauthals verkündet, was er alles im Angebot hat.

Bottega Agorà
Piazza Municipio,

In der neben dem gleichnamigen Restaurant gelegenen Bottega Agorà findet man verschiedene Produkte aus der Region. So zum Beispiel Olivenöl, Würste, Pasta, Schaf- und Ziegenkäse, Schnäpse und Liköre wie zum Beispiel den im Süden hoch geschätzten Limoncello.

Wein

Bis vor einigen Jahren machte jeder Bauer seinen Wein noch selbst bei sich zu Hause. Das hat sich zum Glück geändert. Heute bringen die meisten ihre reifen Trauben in die regionale Wein-Cooperativa, wo sie professionell gekeltert werden. Zu empfehlen ist der Vino rosso Polino, ein trockener und zugleich fruchtiger Rotwein. Gibt es in der Region überall zu kaufen.

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