Postkarte

Postkarte aus Madrid

Text: Stefanie Rigutto
Fotos: Heike Grasser

Strassencafés und Cervecerías zuhauf verlocken zu langen Nächten – hier auf der Plaza Santa Ana
Parque del Retiro
Room Mate Oscar
Mercado de San Miguel
Estado Puro
Calle Espiritu Santu
e
f

Strassencafés und Cervecerías zuhauf verlocken zu langen Nächten – hier auf der Plaza Santa Ana

Parque del Retiro

Room Mate Oscar

Mercado de San Miguel

Estado Puro

Calle Espiritu Santu

Paris, die Stadt der Liebe? ¡Por favor! Das Leben in Spaniens Hauptstadt ist ein eiziger Flirt.

Wen die Stadt von Enrique Iglesias nicht zu Zärtlichkeiten inspiriert, der muss kälter sein als der Fisch im Mercado de San Miguel.

Paris, die Stadt der Liebe? ¡Por favor! Der Ort, in dem die Liebe zur Welt kam, kann nur Madrid sein. In der Hauptstadt Spaniens liegt die Leidenschaft in der Gasse wie die unzähligen zerknüllten Servietten am Boden der Cervecerías. An jeder Ecke werden Wangen gestreichelt, Hintern getätschelt, Zärtlichkeiten ausgetauscht, ein Küsschen hier, ein Beso da. Das Leben in Madrid ist ein einziger Flirt, jede Frau eine verkappte Penélope Cruz, jeder Mann ein kleiner Enrique Iglesias, den Schmachtblick perfektioniert. In der 3.3-Millionen-Stadt ist ein gehauchtes «Nada, guapa» – keine Ursache, meine Schöne – die Standardantwort auf jedes «Gracias». Die Madrileninnen laufen mit so viel Sinnlichkeit durch die Calles, dass man den Bauarbeitern, die ihnen Küsse nachwerfen, nichts vorwerfen kann.

Die Liebe zu den Mujeres konkurrenziert einzig die Liebe zum Essen. Derzeit wird in den Restaurantküchen experimentiert, Fusion-Tapas nennt sich der Trend. Da werden Ost und West, Wasabi und Foie gras zu neuen Tapas-Kombinationen zusammengemixt, das Ergebnis degustiert man in Restaurants wie dem «Olé Lola» oder «Estado Puro». Auch der Mercado de San Miguel hat sich der stilvollen Völlerei verschrieben: Canapés mit Stockfischtatar, ausgefallene Olivenhäppchen, dazu ein guter Wein. Der Jugendstilmarkt ist schon morgens voll, die Spanier essen ungern in den eigenen vier Wänden, zudem halten die Madrileninnen nicht viel vom Hausfrauendasein. Schwitzen ist okay – aber bitte nicht in der Küche!

Schlafen

Room Mate Oscar
Plaza Vázquez de Mella 12
Tel. 0034 917 01 11 73

DZ ab 115 Franken

Mitten im Szeneviertel Chueca, angesagt bei einem jungen, urbanen Publikum. Highlight ist die Dachterrasse mit Pool und tollem Blick, eine der ersten Adressen Madrids.

Hotel Paseo del Arte

Calle Atocha 123
Tel. 0034 912 98 48 00
www.hotelhusa paseodelarte.com
DZ ab 120 Franken

Modernes Viersternehaus an idealer Lage, gleich um die Ecke findet man den Bahnhof Atocha und das Museum Reina Sofía, wo man Picassos «Guernica» bewundern kann.

Essen

El Espejo
Paseo de Recoletos 31
Tel. 0034 913 19 11 88

Der Jugendstilpavillon liegt in der Mitte des Paseo de Recoletos, links und rechts donnert der Verkehr vorbei, während wir die Churros – frittiertes Spritzgebäck – in heisse Schokolade tunken. So beginnt man den Tag in Madrid!

Diurno
Calle de San Marcos 37
Tel. 0034 915 22 00 09

Treffpunkt in Chueca, ein Mix aus Videothek, Takeaway und Restaurant. Schon um 11.30 Uhr stehen Hausfrauen wie Studenten Schlange.

Estado Puro
Plaza Cánovas del Castillo 4
Tel. 0034 913 30 24 00

Ein Vertreter der modernen Tapasküche. Hier werden kleine Köstlichkeiten mit Foie gras, russischer Salat, Tempura-Spargeln und Minihamburger aufgetischt.

Feiern

Olé Lola
Calle San Mateo 28
Tel. 0034 913 10 66 95

Dunkles Täfer, rot-puffiges Interieur, leckere Daiquirís, bequeme Sofas, auf denen Zärtlichkeiten ausgetauscht werden: In der Olé Lola Bar fühlt man sich, als ob einen Julio Iglesias verknuddeln würde!

El Ático de Las Letras
Gran Vía 11
Tel. 0034 915 23 79 80

Pflanzen überwuchern das Geländer, Düsen besprühen einen mit Wasserdampf: Die Terrasse des Hotels Las Letras ist eine Oase. Bestellen Sie «Una clara, por favor!» (ein Panaché, bitte!), und warten Sie auf den Sonnenuntergang.

Shopping

Calle Espíritu Santu
Hübsche Einkaufsstrasse im Herzen des Viertels Malasaña. In den kleinen Shops werden Cupcakes in allen Farben verkauft, vergilbte Schallplatten oder süsse Crêpes.

Mercado de Fuencarral
Calle de Fuencarral 35

Ein Shoppingcenter der anderen Art, ein Sammelsurium unbekannter spanischer Designer. Hier findet man alles, von Militärjacken über Brillen in Herzform bis zu S/M-Spielzeugen.

Anschauen

Estación de Atocha
Gorieta de Carlos V

Die Konstruktion aus Stahl, Glas und rotem Sandstein, in der 2004 mehrere Sprengsätze detonierten, ist ein Bahnhof der Extraklasse, eine Art spanische Masoala-Halle, ein tropischer Garten mit Palmen und Bananenstauden.

Mercado de San Miguel
Plaza de San Miguel

Der modern restaurierte Jugendstilmarkt ist eine Freude für Architekturfans – und ein Gourmetparadies. Bereits morgens um zehn Uhr trinkt man eine Copa de vino, dazu geniesst man Canapés mit Stockfischtatar.


Entspannen


Parque del Retiro


Wenn die Füsse dampfen, legt man sich hier ins Gras, in den Schatten der grossen Kastanien, blickt in die Baumkronen und lauscht dem Gurren der Tauben. Oder man mietet ein Ruderboot und rudert auf dem See herum.

Stichworte

Kommentare

Empfehlungen der Redaktion

Postkarte

Postkarte aus Bergen

Digitale Post

Das Beste aus unserer Redaktion jede Woche in Ihrer Mailbox

Mehr aus der Rubrik

Reisetipps

Klug im Zug

Von Verena Edinger