Gleiswürfeln

Schulreise reloaded

Text: Leandra Nef; Fotos: Natur- und Tierpark Goldau (1), zvg (1), Restaurant Gartenlaube (1), Zugersee Schifffahrt (1)

Schulreise reloaded
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Schulreise reloaded
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Natur- und Tierpark Goldau
(im Bild: die Gemeinschaftsanlage für Bär und Wolf)

Junior-Online-Editor Leandra Nef füttert Mufflons

Im Restaurant Gartenlaube am Zugersee ist Glace schlecken besonders idyllisch

Mit dem Schiff gehts von Arth-See zurück nach Zug

Die Würfel sind gefallen – und bestimmen, wohin die Reise geht. Gleiswürfeln heisst dieses Spiel, bei dem die gewürfelte Zahl das Gleis bestimmt und somit den Zug, den man nimmt. Unsere Junior-Online-Editor Leandra Nef hat das Experiment gewagt – es endete in einer Zeitreise.

Hauptbahnhof Zürich. Ich halte drei Würfel in der Hand, die Finger schwitzig, ich schliesse sie zur Faust, ein kurzes Stossgebet gen Himmel, dass es uns, meine gute Freundin Patrizia und mich, bitte nicht nach Schwamendingen würfeln mag – obwohl Schwamendingen bestimmt einiges zu bieten hätte, keine Frage, aber das Tessin wäre mir doch lieber –, lasse die Würfel in der geschlossenen Hand von links nach rechts kullern, schüttle, drücke mit der anderen Hand den Daumen, werfe die Würfel mit Schwung auf die Steinbank, auf der wir sitzen: eins und eins und vier. Gleis sechs. Arth-Goldau.
Arth-Goldau! Der Pilgerort für Innerschweizer Familien. Das Lieblingsziel der Lehrer für die Schulreise. Patrizia schaut mich mit breitem Lachen an – wir haben dieselbe Idee. Wir fahren zwar nicht ins Tessin, dafür aber nach Goldau. In den Tierpark.
Vor 14 Jahren waren wir zum letzten Mal dort, gemeinsam, in der 5. Klasse. Weil uns noch 20 Minuten bis zur Abfahrt bleiben und sich das für ein Schuelreisli so gehört, hasten wir in die Migros und kaufen Proviant. Zwar gibts heute Vegiplätzli statt wie damals Cervelats mit Beindli, bei den Snacks bleiben wir dem Kind in uns aber treu: Wir kaufen Jumpys und Joujoux, das Chipssäckli mit Spielzeug drin. Dazu ein paar erdbeerrote Gummischlangen, die heute irgendwie süsser schmecken als damals, aber mindestens genau so gut.

Eine Stunde später in Arth-Goldau: Aufgemalte Bärentatzen auf dem Trottoir weisen den Weg zum Tierpark, mehr pro forma als nötig, denn man könnte auch einfach den vielen Kindern folgen, die munter und in Zweierreihe ihren Lehrerinnen hinterherwatscheln wie Entenjunge ihrer Entenmama.
Am Eingang fragen wir nach den Plastiksäckli mit Karotten, wir möchten Tiere füttern. Und lernen: Plastiksäckli gibts nicht mehr, Karotten auch nicht, dafür Kartonschachteln voller Futterwürfel. Ist uns auch recht.
Wir füttern Hirsche und Mufflons, beobachten die neugeborene Wildkatze beim Spielen, die Frischlinge beim Schlafen – und als wir Hunger bekommen, dürfen wir unsere Vegiplätzli zwischen den Bratwürsten und Cervelats der Zweitklässler von Frau Wagner aus Luzern auf dem Grill platzieren. Wir essen sie auf einem der Felsen, die hier vor 200 Jahren vom Rossberg ins Tal gedonnert sind und dem Tierpark sein unverkennbares Relief verleihen.

Vier Stunden verbringen wir im Tierpark Goldau, vier Stunden, in denen wir uns in unsere Primarschulzeit zurückversetzt fühlen. Eine schöne Zeitreise. Danach schauen wir kurz im Bergsturzmuseum vorbei, bevor wir mit dem Bus nach Arth-See fahren. Im Restaurant Gartenlaube am Ufer des Zugersees bestellen wir ein Glace. Stracciatella für Patrizia, Schoggi für mich, wie immer. Wir sehen hinauf zur Rigi und rüber bis nach Cham, auf die andere Seite des türkisgrünen Sees, und weil es auch noch wunderbar warm ist, fühlt sich der Aufenthalt hier ein bisschen an wie Ferien an der italienischen Riviera. Und es wird noch besser: Das «Gartenlaube» liegt direkt beim Schiffssteg, unser Transportmittel für die Rückreise ist klar. 45 Minuten dauert die Schifffahrt von Arth-See nach Zug. Sie führt uns vorbei an charmanten Altstädten – Arth, Walchwil, Oberwil –, wir lassen uns vom Fahrtwind die Haut kühlen und stossen unter Palmen – ja, sogar Palmen gibt es auf dem Deck des Schiffs – mit Weisswein auf den abenteuerlichen Tag an. Gleiswürfeln, so viel steht fest, das machen wir wieder mal.

Sehen

Tierpark Goldau
Im können Besucher rund 100 einheimische und europäische Wildtierarten beobachten. Der Park ist das ganze Jahr über geöffnet, inklusive Sonn- und Feiertage.

Bergsturzmuseum Goldau
Im September 1806 erschütterte ein Bergsturz die Gegend um Goldau. Fast 500 Menschen kamen bei der Naturkatastrophe ums Leben, Hunderte Wohnhäuser und Bauernhöfe wurden zerstört. Das liefert Erklärungen rund um die damaligen Geschehnisse und stellt Gegenstände aus, die durch die Wucht des Bergsturzes deformiert wurden.

Essen

Restaurant Grüne Gans 
Wer im Tierpark nicht picknicken oder grillieren will, der speist am besten in der . Das Restaurant befindet sich zwischen Heilkräutergarten und Bärengehege und bietet neben Buffetsalaten und Schnippo auch wechselnde Tagesmenüs.

Restaurant Gartenlaube
Ob für den Zmittag oder für ein Glace – ein Besuch im Restaurant  in Arth lohnt sich auf jeden Fall. Bei schönem Wetter können die Gäste ihr Essen nämlich am Ufer des Zugersees und mit Blick auf die Rigi geniessen.

Reise

Die Zugfahrt vom Hauptbahnhof Zürich nach Arth-Goldau dauert im besten Fall 37 Minuten, von da sind es nochmals zehn Minuten zu Fuss bis zum Tierpark. Für die Rückreise empfiehlt sich eine Fahrt mit dem Schiff von Arth-See nach Zug, wo man wieder auf den Zug umsteigen kann.

 

Linktipp: Stv. Onlineleitung Viviane Stadelmann hat sich nach Buchs gewürfelt 

Themenmonat

Sommerzeit ist Reisezeit! Im Juni geht es bei uns vier Wochen lang ums Reisen und ums Unterwegssein – sowohl in der weiten Welt als auch in der Schweiz.

Leandra Nef

Auf dieser Welt gibt es noch so viele Geschichten zu erzählen! Das freut die Junior Online Editor, die Neues entdecken, verstehen, hinterfragen und natürlich darüber schreiben möchte. Unkonventionelle Lebensentwürfe und das Thema Reisen interessieren sie besonders.

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