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Postkarte aus New York

Text: Frank Heer; Fotos: Lena Maria Thüring

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Die Beiz, die man selten nüchtern verlässt: Union Pool – auch Hipster Pool genannt

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Berühmt für seine T-Bone-Steaks ist...

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...das Peter Luger Steak House.

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Berühmt für seine T-Bone-Steaks: Sammelstücke im City Reliquary Museum

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Königlich tafeln: Restaurant Sweetwater

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Koloniales Ambiente...

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... im Hotel Delamo.

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Wo es nach Kaffee und Kuchen duftet: Café Bakeri (www.bakeribrooklyn.com)

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Broadway Diner

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Beacon's Closet

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Fette Sau BBQ

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Bedford Mini Mall

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Pete's Candy Store

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Williamsburg Bridge

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Grüsse aus Brooklyn: Die Bedford Avenue im hippen Viertel Williamsburg ist New Yorks lustvollster Catwalk.

Brooklyn’s Finest - New Yorks lustvollster Catwalk ist die Bedford Avenue in Williamsburg. Szenevolk hin oder her: Den Charme des alten Arbeiter- und Einwandererviertels hat das Quartier in Brooklyn behalten.

Mitte der Neunzigerjahre war Williamsburg am Ende. Eine einzige Industrie-Ruine. Leere Fabriken und Hallen entlang des East River. Die Kriminalität war hoch, die Strassen waren schmutzig, Häuser wurden für einen Pappenstiel verkauft. Kaum irgendwo in Brooklyn waren die Mieten tiefer. Ideal für mittellose Kreative mit Pioniergeist und Leichtsinn. Oder weniger romantisch: für Leute, die sich Manhattan nicht mehr leisten konnten. Es kam, wie es immer kommt: das erste Café, der erste Plattenladen, die erste Secondhand-Boutique. Käseladen, Bücherladen, Bioladen. Musikclub, Tanzclub, Schwulenclub. Es verschwanden: Säuferkneipen, Kokainhöhlen, Go-Go-Bars. Aus dem Sperrbezirk wurde ein Trendquartier.

Schon immer war Williamsburg ein Hafen für Neuankömmlinge. Im 17. Jahrhundert als holländische Siedlung gegründet, später von Deutschen, Polen, Latinos, chassidischen Juden bewohnt. Henry Miller schrieb über seine Jugend an der Driggs Street: «Ich erinnere mich, als wäre alles in Stahl gegossen, an die finsteren, mit Russ bedeckten Wände und Kamine der uns gegenüberliegenden Blechfabrik …»

Williamsburg ist ein Einwandererquartier geblieben – wenn auch seine neuen Bewohner kaum mehr Fabrik- und Hafenarbeiter sind. Eher schon Designer, Künstler, Informatiker. Konzertveranstalter, Jungunternehmer, Studierende. Sie sehen ihre Strassen als Antithese zu Manhattan. Als Lebensraum mit Platz für Velos, Blumenbeete, Dachfeste und einen Bäcker, der einen beim Namen kennt; als Vorstadt-Rockvariété mit wechselnden Kostümen.

Bedford Avenue

Die Bedford Avenue führt quer durchs Quartier. Sie ist Hauptschlagader und ein Catwalk der Eitelkeiten. Hier wird vorgeführt, was man morgen in Berlin, Zürich, London trägt: Vollbart, Fedora, Matrosinnen-Tattoos. Noch stimmt die Balance. Vor den puerto-ricanischen Bodegas spielen noch immer alte Männer Domino. Daneben serviert ein neuer Edeljapaner Sashimi. Die Verkäuferin in der polnischen Metzgerei spricht noch immer kaum Englisch, dafür der französische Barkeeper, der bald ein eigenes Bistro eröffnet. Die Feuersirenen der Satmar Chassidim heulen noch immer jeden Freitagabend den Sabbat ein, während sich auf der Bedford Avenue die Nachtvögel für den Abflug ins Wochenende plustern. Verschlafen bröckeln noch immer ganze Strassenzüge entlang des Flusses, wo Investoren vor dem Börsencrash von Luxus-Condos träumten.

Viele sind gebaut, weitere schon geplant. Gentrifikation ist das Schlagwort der Stunde. Ein Quartier, in dem die Mieten explodieren, zieht eine neue Spezies Mieter an. Der burlesk--hedonistische Strassenwisch aus Alt und Neu, Verschroben und Schrill, wird sich bald eine neue Bühne suchen müssen. Never mind, das war schon immer so. Die Pioniere erobern längst andere Stadtgebiete. Denn sie wissen, Williamsburg wird nie mehr sein, was es war. Nur die Million-Dollar-Aussicht über den Fluss bleibt unverändert: Manhattan zeigt sich hier von der schönsten Seite.
Essen & Trinken

Peter Luger’s Steakhouse
178 Broadway, Tel. 001 718 387 74 00, www.peterluger.com
Seit 1878 eine Institution und mit allerbesten Noten für seine T-Bone-Steaks versehen. Am elegant-verstaubten Ambiente hat sich seit gefühlten hundert Jahren nichts geändert.

Fette Sau BBQ
354 Metropolitan Avenue, Tel. 001 718 963 34 03, www.fettesaubbq.com
Die Alternative zu Pete Luger’s: Geräuchertes vom Grill serviert mit Bier oder Bourbon. Für Bartträger, Cowgirls, Rockmusiker, Trendsetterinnen, Partylöwen.

Bozu
296 Grand Street, Tel. 001 718 384 77 74, www.oibozu.com
Sashimi? Here we go.

Sweetwater
105 North 6th Street, Tel. 001 718 963 06 08, www.sweetwaterny.com
Wir assen: Sardinen an Zitronensaft, gebratenes Biopoulet mit Artischocken und Linsensalat, Kokostorte mit Vanilleglace. Delicious!

Bakeri
150 Wythe Avenue, Tel. 001 718 388 80 37, www.bakeribrooklyn.com
Zufällig hineingestolpert: in diese kleine Oase, erfüllt vom Duft des Süssen und frisch gemahlener Kaffeebohnen. Sommertipp: der schattige Hinterhofgarten.

Broadway Diner
85 Broadway, Tel. 001 718 486 30 77, www.dinernyc.com
Einer der Letzten seiner Art: Art-déco-Diner von 1926, stilvoll restauriert. Man sagt, das amerikanische Frühstück sei das Beste: Hier kann man sich überzeugen.

The Bagel Store
247 Bedford Avenue, Tel. 001 718 218 72 44, www.thebagelstoreonline.com
Der Bagel ist das New Yorker Gebäck schlechthin. Hier werden sie originalgetreu in allen Varianten zuerst gekocht (jawohl!) und dann gebacken. Dann folgt die Qual der Aufstrichwahl bei den Cream-Cheese-Sorten.

Nachtleben

Union Pool
484 Union Avenue, www.myspace.com/unionpool
Auch Hipster Pool genannt. Wer hier nicht absumpft, war nie in Williamsburg. Katerfrühstücktipp: Relish Diner, 225 Wyth Avenue (www.relish.com).

Pete’s Candy Store
709 Lorimer Street, Tel. 001 718 302 37 70, www.petescandystore.com
Das winzigste und putzigste Konzertlokal der Welt liegt in Brooklyn. Schöne alte Bar, gute Musik, süffiges Bier. Ein Klassiker.

Glasslands
289 Kent Avenue, Tel. 001 718 599 14 50, www.myspace.com/theglasslands
Konzert- und Tanzpalast für Sounds am Puls der Zeit: Vampire Weekend, TV on the Radio, Yeah Yeah Yeahs, Moby, DJ Samson … Sie alle spielten und spielen hier.

Hotel Delmano
82 Berry Street, Tel. 001 718 387 19 45
Exquisite Cocktails in kolonialem Ambiente. Abends rammelvoll, tagsüber Lesekulisse für Hemingway-Novellen. Oder um in Williamsburg zu bleiben: Henry Millers «Schwarzer Frühling».

Zebulon
258 Wyth Avenue, Tel. 001 718 388 11 11, www.zebuloncafeconcert.com
Abseits vom Bedford-Rummel: Konzertbistro, Tanzschuppen und Quartierbar in einem. Where the locals go!

Knitting Factory
361 Metropolitan Avenue, Tel. 001 347 529 66 96, www.knittingfactory.com
New Yorks legendärer Konzertclub ist ebenfalls in die Nachbarschaft gezogen. Seit zwanzig Jahren ein Garant für frischen Musikwind.

Shoppen

Bedford Mini Mall
Bedford Avenue/Ecke North 4th Street.
Die ehemalige Shoppingmall ist heute ein alternatives Einkaufszentrum mit Platten- und Buchladen, T-Shirt-Boutique, Café, Vinothek, Haar- und Yogastudio.

Beacon’s Closet
88 North 11th Street, Tel. 001 718 486 08 16, www.beaconscloset.com
Ein endloser Fundus an cooler Wäsche. Von Cowboyshirts über Polyesteranzüge bis 80er-Handtaschen, Westerngürtelschnallen, Boots.

Sehen

East River State Park
Eingang 90 Kent Avenue
Der neu angelegte Park am East River offenbart atemraubende Blicke auf Manhattan und ist eine Art Gemeinschaftsgarten des Quartiers. Im Sommer finden hier Konzerte statt.

Williamsburg Bridge
1924 als letzte der drei grossen Brücken von Lower Manhattan nach Brooklyn gebaut. Sie führt direkt ins Herz des jüdischen Williamsburg. Ein Trip, egal ob im Taxi, zu Fuss oder in der Subway.

City Reliquary Museum
370 Metropolitain Avenue, Tel. 001 718 782 48 42, www.cityreliquary.org
Dieses Kuriositätenkabinett aus der älteren wie jüngeren Geschichte Williamsburgs ist klitzeklein, aber wirklich fein. Geöffnet an Wochenenden oder nach Anmeldung.

Schlafen
Skytours in Glattbrugg vertritt über 200 Hotels der verschiedensten Preisklassen in New York. Unverbindliche Beratung: Skytours, Tel. 043 211 71 55, www.skytours.ch

Anreise
Roundtrips Zürich–New York–Zürich ab 740 Fr. (inkl. Taxen). Infos und Booking: Skytours, Travelhouse, Sägereistrasse 20, Glattbrugg, Tel. 043 211 71 55, www.skytours.ch

Von Manhattan aus erreicht man Williamsburg in wenigen Stationen mit dem L-Train. Subway Stop: Bedford Avenue.

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