Vor der Sonne geschützt

«Lichtschutz in der Foundation reicht nicht aus»

Redaktion: Viviane Stadelmann; Foto: Unsplash

«Lichtschutz in der Foundation reicht nicht aus!»
«Lichtschutz in der Foundation reicht nicht aus!»
«Lichtschutz in der Foundation reicht nicht aus!»
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SPF 50 Protective Face Base von , ca. 50 Fr. 

Double Wear Nude Water Fresh Makeup SPF 30 von , ca. 60 Fr.

Butterstick Lip Treatment SPF 25 von, 25 Fr.

Ob Foundation, Puder oder Lippenstift – immer mehr kosmetische Produkte werben mit einem Lichtschutzfaktor. Doch schützt dieser wirklich ausreichend vor UV-Strahlen? Wir haben bei einer Dermatologin nachgefragt.

gamevuinhon: Was heisst überhaupt Lichtschutzfaktor 30 oder 50?
Dr.med. Nathalie Irla-Vuille: Die Ziffer 30 oder 50 ist der Faktor mit dem die Eigenschutzzeit der Haut, die der Sonne ausgesetzt wird, multipliziert werden kann. Diese ist abhängig vom Hauttyp. Sind Sie ein heller Hauttyp und bekommen bereits nach fünf Minuten einen Sonnenbrand, verlängert sich ihr Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50 auf 250 Minuten. Auch ein hoher Lichtschutzfaktor hält also nicht den ganzen Tag – das vergessen viele.

Muss man sich im Frühling anders schützen als im Sommer?
Nein, man muss sich das ganze Jahr über schützen.

Ist der Schutz der Sonnencrème und der einer Foundation oder Tagescrème vergleichbar? 
Der Schutz einer Foundation ist schon deshalb geringer, weil man weniger vom Produkt verwendet als von einer Sonnencrème. Aber auch bei einer Sonnencrème erreicht man den Schutz, der indiziert ist, nicht überall. Denn der Lichtschutzfaktor wird in einem Labor gemessen – und das mit einer spezifischen Menge des Produkts pro Quadratzentimeter Haut. Im Alltag trägt jedoch niemand die Crème so dick, konzentriert und gleichmässig auf wie in der Testumgebung. 

Auf welchen Schutz kommt man denn dann?
Wenn man eine Sonnencrème mit Faktor 50 aufträgt, kommt man etwa auf einen Schutzfaktor von 30. Bei einer kosmetischen Foundation ist die Diskrepanz zwischen angegebenen Faktor und reellem Faktor noch geringer, denn sie trägt man nicht gleichmässig auf dem Gesicht auf, oft wird sie als Concealer verwendet und sehr sparsam eingesetzt. Der auf einer Verpackung ausgewiesene Schutz reicht also allein nicht aus. Man braucht zusätzlich zum Make-up unbedingt Sonnencrème.

Trägt man diese am besten darunter oder darüber auf?
Darunter. Sonnencrème kommt immer zuerst, dann erst die kosmetischen Produkte. Verwendet man zwei Produkte mit Lichtschutzfaktor, kommulieren sich diese nicht automatisch. Das heisst: eine Sonnencrème mit LSF 30 und eine Foundation mit LSF 30 gibt nicht automatisch LSF 60.

Also lieber keine Foundation mit Lichtschutzfaktor dafür einen höheren Sonnenschutz?
Nein, am besten beides. Ich finde Tagescrèmen und Foundation mit Lichtschutzfaktor sehr gut – mehr ist beim Sonnenschutz immer besser.

Kann man die Sonnencrème beim erneuten Eincrèmen dann über dem Make-up auftragen?
Davon würde ich abraten, denn das gibt ein unschönes Geschmier. Es gibt aber mattierende Sonnensprays fürs Gesicht, die Sie über das Make-up aufsprühen können, wenn Sie längere Zeit in der Sonne sind.

Kann man die Sonnencrème aus dem letzten Sommerurlaub noch verwenden oder hat Sonnenschutz ein Ablaufdatum?
Das Mindesthaltbarkeitsdatum steht auf der Verpackung. Meistens sind die Produkte sechs bis zwölf Monate haltbar. Sobald aktive Substanzen enthalten sind wie bei der Sonnencrème, sollten Sie darauf achten, wie alt das Produkt ist. Sonst ist der Schutz nicht mehr gewährleistet.

Was halten Sie von losem Puder oder Lippenstiften mit Lichtschutzfaktor? 
Es ist durchaus möglich seitens der Kosmetikunternehmen einen gewissen Sonnenschutz in ein Puder zu integrieren. Doch da er aus vielen kleinen Partikeln besteht, wird auf der Haut kein homogener Schutz erreicht.

Und Lippenstifte?
Für die Lippen ist der Schutz super. Viele vergessen, einen Lipbalm mit Sonnenschutzfaktor aufzutragen. Und ausgerechnet die Lippen haben fast keinen Eigenschutz, da sie nicht stark pigmentiert sind. Natürlich gibt es Frauen mit dunkleren Lippen, diese enthalten etwas mehr Melanin, aber der mitteleuropäische Typ hat meist hellrosa Lippen, die sich nicht schützen können. Bei vielen Patientinnen und Patienten bei denen sich eine Krebsvorstufe entwickelt, sieht man das beim Übergang zwischen den Lippen und der übrige Gesichtshaut.

Dr. med. Nathalie Irla-Vuille ist Hautärztin mit eigener Praxis für Dermatologie in Zug und Konsiliarärztin an der Andreasklinik in Cham.

Viviane Stadelmann

Die stellvertretende Online-Leiterin liebt die grenzenlosen Möglichkeiten der digitalen Welt. Sie schreibt besonders gern über die kleinen und grossen Absurditäten des Alltags, genauso wie über Mode, Literatur und Kunst.

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