Schweizer Macherinnen

«Ich habe keine Angst Regeln zu brechen»

Interview: Stephanie Hess; Foto: Vera Hartmann; Location: Theater Chur; Video und Schnitt: Stephanie Hess und Kerstin Hasse

Die Bündnerin Asa Stina Hendry schrieb mit 16 Jahren ein Fantasybuch auf Rätoromanisch. Mit 18 sitzt sie an ihrem ersten Roman. Nun will sie auf die grosse Bühne.

gamevuinhon: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Asa Stina Henry: Geschichten waren ganz früh ein Teil meines Lebens. Ich erinnere mich an lange Wanderungen, auf denen meine Grossmutter unendliche, frei erfundene Märchen erzählte. Vom Mädchen, das im Moor lebt und auf Süssholz beisst. Oder von einem Drachen, den man köpfen muss.

Ist «Emalio» als Essenz dieser Geschichten zu verstehen, das Fantasybuch, dass Sie mit mit 15 Jahren schrieben und das veröffentlicht wurde?
Irgendwie schon. Fantastische Geschichten haben mich schon immer begleitet. Nach den Märchen kam «Harry Potter» oder «Herr der Ringe», Bücher, die ich über alles liebte.

Spielt diese literarische Herkunft auch in Ihrem aktuellen Buchprojekt eine Rolle, das im Herbst herauskommen soll?
Es geht auch ums ländliche Leben, aber mehr um die Entfremdung davon, um den Aufbruch. Eine junge Frau lernt einen Schriftsteller kennen, der 20 Jahre älter ist als sie. Sie sucht einen Vater, er eine Tochter. Es entsteht ein verwirrendes Verhältnis.

Am rätoromanischen Schreibwettbewerb Premi Term Bel reichten Sie 2016 einen Text über gleichgeschlechtliche Liebe ein – und bekamen dafür gleich den Jury- und den Publikumspreis.
Ich hatte nie Angst davor, Regeln zu brechen.

Woher kommt das?
Ich stamme aus einer zugezogenen Familie. Meine Schwester und ich sind im konservativen, romanischen Umfeld oft angeeckt. Wie man sich vorstellen kann, ist auch meine Homosexualität auf Unverständnis gestossen. Ebenso, dass ich binäres Geschlechterdenken ablehne. Meine Namensänderung von meinem Geburtsnamen Stina zum geschlechtsneutralen Asa veräusserlicht diese Denkweise. Im Leben, wie im Schreiben will ich neue Welten öffnen, sie erfahren.

Zwei Bücher mit 19 Jahren sind ein beachtlicher schriftstellerischer Ausweis. Doch nach der Matura diesen Sommer, wollen Sie die Aufnahmeprüfung für eine Schauspielschule machen. Weshalb?
Die Schauspielerei gibt mir die Möglichkeit vieles zu erfahren. Vor allem ist sie eine Lebensschule. An die erste Probe im Jungen Theater Graubünden wurde ich von meiner damaligen Zimmergenossin geschleppt, ich bin beinahe gestorben vor Angst. Heute liebe ich es. Das ist es, was Theater schafft. Es bringt einen an die Grenzen. Und darüber hinaus.

 

Asa Stina Hendry (18) ist in Vella (GR) im Val Lumnezia aufgewachsen. Mit 15 Jahren hat sie mit Flurina Albin für ein Schulprojekt den rätoromanischen Fantasyroman «Emalio» geschrieben, der später von der Casa Editura Rumantscha veröffentlicht wurde. Heute besucht sie Gymnasium in Chur und schreibt an ihrem zweiten Buch, das diesen Herbst veröffentlicht wird. Sie schreibt ausserdem Zeitungskolumnen und für die Radiosendung Impuls des Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR). Zurzeit arbeitet sie mit einem Musiker an einem Programm, das romanische Lyrik mit Musik kombiniert. Mit einer Sondergruppe des Jungen Theater Graubünden steht sie für die Produktion «Der gute Mensch im Workshop» in der Churer Werkstatt auf der Bühne.

Schweizer Macherinnen

Frauen, die inspirieren: Empfehlen Sie uns eine Frau, die auf ihrem Gebiet Herausragendes leistet, oder schicken Sie sich hier gleich selbst ins Rennen um das Prädikat «Schweizer Macherin». 

Kommentare

Empfehlungen der Redaktion

Schweizer Macherinnen

«Kaum freie Zeit: So mag ich es»

Von Stephanie Hess

Mehr aus der Rubrik

Heiligabend an besonderen Orten

Wie feiert man Weihnachten im ...