Schweizer Macherinnen

«Junge Leute sollten sich engagieren»

Interview: Stephanie Hess; Foto: 720.ch für Volksinitiative für eine starke Pflege

Schweizer Macherin: Viola Lorenz

Die Menschen haben ein verzerrtes Bild ihres Berufsstandes, sagt Pflegestudentin Viola Lorenz und setzt sich für mehr Anerkennung ein. Das käme der ganzen Gesellschaft zugute.

gamevuinhon: Als Präsidentin haben Sie den Verband Swiss Nursing Students neu aufgebaut und setzen sich in dieser Funktion stark für die Pflegeinitiative ein, die die Förderung der Gesundheitsvorsorge anstrebt. Woher kommt Ihre Lust am Engagement?
Viola Lorenz: Ich lernte von meinen Eltern, dass es wichtig ist, sich einzusetzen, wenn einem etwas am Herzen liegt. Ich finde, gerade junge Menschen sollten sich vermehrt engagieren.

Weshalb braucht es Ihrer Meinung nach die Pflegeinitiative?
Wir haben in der Schweiz einen Pflegenotstand. Obwohl wir alle immer älter und pflegebedürftiger werden, bilden wir derzeit nur 46 Prozent der Pflegefachleute aus, die wir künftig brauchen. Das heisst, dass die Qualität der medizinischen Behandlungen nicht sicher gewährleistet werden kann , das gefährdet die Patientensicherheit.

Der Bundesrat hat die Pflegeinitiative abgelehnt, im Herbst kommt sie vors Parlament. Was erhoffen Sie sich von der Debatte?
Wichtig ist für mich vor allem, dass eine Diskussion angestossen wird. Ich hoffe, dass sich damit auch das verzerrte Bild verändert, das viele von unserem Berufsstand haben.

Inwiefern ist es verzerrt?
Viele denken noch immer, dass das Pflegepersonal lediglich Hintern abwischt und Spitalzimmer putzt. Das stimmt natürlich nicht. Ich schliesse dieses Jahr mein dreijähriges Pflegestudium ab, in dem wir uns vertieft mit Medizin auseinandergesetzt haben.

Nach Ihrem Studienabschluss werden Sie Swiss Nursing Students verlassen. Wo engagieren Sie sich als Nächstes?
Ich bleibe Swiss Nursing Students weiterhin eng verbunden und weiterhin Mitglied im Berufsverband. Mal schauen, welche Funktionen sich für mich dort ergeben. Und ich bleibe auch meiner Vision weiterhin treu: Dass wir alle Pflegenden der Schweiz zusammenbringen und gemeinsam etwas verändern können.

Viola Lorenz (23) wuchs in Bern auf. Nach der Schule arbeitete sie im Rahmen eines Vorpraktikums für das Physiotherapiestudium im Spital, dort verlor sie ihr Herz an die Krankenpflege. Dieses Jahr schliesst sie den Bachelor of Science in Pflegewissenschaften an der ZHAW in Winterthur ab. Während des Studiums baute sie den Verband Swiss Nursing Students auf (swissnursingstudents.ch), der mittlerweile über 1500 Mitglieder zählt.

 

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