Wie ist es eigentlich

Wenn man Briefe ans Christkind beantwortet

Aufgezeichnet von Olivia Sasse; Foto: Getty Images

Wenn man Briefe ans Christkind beantwortet

Samanta Strebel (48) arbeitet seit sieben Jahren in einem Spezialteam der Schweizerischen Post. Jeden Dezember beantwortet sie Hunderte Briefe, die ans Christkind, an Père Noël oder an Babbo Natale adressiert sind.

Anfang Dezember kommt bei uns bereits Weihnachtsstimmung auf im Büro in Chiasso. Wir stellen einen Weihnachtsbaum auf und beginnen damit, die Weihnachtspost zu beantworten. Es ist wirklich eine tolle Arbeit: Wir bekommen pro Jahr rund 20 000 Briefe, die an das Christkind adressiert sind. Wir sind ein Team von sechs bis sieben Personen, und den ganzen Monat über öffnen wir Weihnachtsbriefe, lesen sie und schicken eine Antwort mit einem kleinen Geschenk und einer Weihnachtsgeschichte zurück. Die Geschenke und Geschichten wechseln jedes Jahr. Wir haben zum Beispiel schon Puzzles verschickt oder etwas Kleines für den Weihnachtsbaum. Ich mache den Kindern gern eine Freude.

Wir bekommen wirklich viele Briefe, die alle ganz unterschiedlich sind. Die meisten sind auf Französisch, wir bekommen aber auch viele auf Deutsch und Italienisch. Die Post kommt von Kindern in jedem Alter: Von ganz Kleinen, da schreibt oft die Mama, bis zu 12-Jährigen. Manchmal schreiben uns sogar Erwachsene, die in einer schwierigen Lebenssituation sind. Sie fragen um Rat oder wünschen sich Schutz für ihre Familien.

Ich selbst habe keine Kinder und finde es immer schön, wenn die Briefe etwas aus dem Leben erzählen. Die Kinder schreiben über sich selbst, das ist manchmal auch ganz lustig. Wir lesen dann beispielsweise: «Ich war brav» oder «Ich war nicht so gut zu meinen Eltern, ich möchte aber trotzdem Geschenke». Natürlich gibt es auch die, die einfach nur Geschenke wollen und das genau so schreiben. Als ich angefangen habe, waren die Kinder noch etwas bescheidener. Die materiellen Wünsche haben in den letzten Jahren zugenommen. Viele Kinder wünschen sich in diesem Jahr ein neues Handy oder elektronische Spiele.

Manchmal schicken uns die Kinder auch selbst gebastelte Geschenke oder Schokolade mit. Was wir sehr oft bekommen, sind Nuggi. Dieses Jahr habe ich bereits am ersten Tag so viele bekommen, dass ich eine ganze Kiste damit füllen konnte. Die Nuggi hängen wir dann an den Weihnachtsbaum, zusammen mit besonders herzigen Karten und Zeichnungen.

Natürlich gibt es auch eine Handvoll sehr spezieller Briefe, die einem in Erinnerung bleiben. Vor Kurzem habe ich ein Karte gesehen, da hat ein Mädchen sehr gross auf ein Papier geschrieben: «Bringt mir Mami wieder zurück.» Da war ich den Tränen nah. Gerade in den ersten Jahren war es für mich oft sehr emotional, wenn wir Briefe bekamen, in denen die Kinder sich mit einer schwierigen Bitte ans Christkind wandten. Wenn sie sich eine neue Arbeit für den Vater wünschten oder dass die Schwester im Spital wieder gesund werden sollte. Solche Wünsche berühren mich sehr.

Ich bin im Tessin aufgewachsen und mache diese Arbeit schon seit sieben Jahren. Ich freue mich immer noch jedes Jahr auf die Weihnachtsbriefe im Dezember. Manchmal bekomme ich sogar Briefe, die an mich persönlich adressiert sind – die sind dann von Kindern, die ich kenne und deren Mamis oder Papis sagen: «Samanta ist die Sekretärin des Weihnachtsmanns.»

Alle zehn Jahre geht ein Teil der Briefe ans Museum für Kommunikation in Bern. Eine Auswahl der schönsten, lustigsten und liebevollsten Briefe und Zeichnungen wurden im Büchlein «Briefe ans Christkind» beim Applausverlag veröffentlicht.

 

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