Wie ist es eigentlich

Wenn man Stars die Haare stylt

Text: Ines Häfliger; Bild: Unsplash

Wenn man Stars die Haare stylt

Der Schweizer Felix Fischer frisiert heute die grossen Stars in Hollywood. Keine einfache Klientel. Da ist er manchmal durchaus froh um das laute Föhngeräusch. 

«You are the best hairdresser in the world!», schrie Sängerin und Schauspielerin Bette Midler und fiel vor mir auf die Knie – so begeistert war sie von meiner Halloween-Perücke für ihre Tochter: eine Kopie von Liza Minnellis schwarzer Kurzhaarfrisur. Ich lief rot an und wusste nicht, was ich sagen sollte. In Momenten wie diesen kommt mir alles total unwirklich vor.

Ich bin im aargauischen Möriken aufgewachsen, habe meiner Heimat mit dreissig den Rücken gekehrt und wanderte nach New York aus. Als ich im Big Apple ankam, war ich ein Niemand. Was für ein Schock! Schliesslich hatte ich mir in der Schweiz als Coiffeur und Hairstylist einen Namen gemacht. Unterkriegen liess ich mich aber nicht. Mit viel Charme überspielte ich Misserfolge – «fake it until you make it».

Fünf Jahre vergingen, bis mir in New York der Durchbruch gelang. Ich ergatterte erste grosse Aufträge von Beauty-Konzernen. Und auch die Stars wurden auf mich aufmerksam. Celebrities wie Jennifer Lopez, Natalie Portman, Kate Winslet, Rihanna oder Paris Hilton liessen sich im Laufe der Jahre schon von mir die Haare machen. Viele dieser Promis sind unglaublich kompliziert. Insbesondere Jennifer Lopez, die ich 2014 auf ihrer Südamerika-Tournee begleitete. Sie würde Make-up und Frisur am liebsten viermal täglich wechseln. Einmal rief sie mich morgens um vier Uhr zu sich ins Zimmer, um ihr die Extensions zu entfernen. Das dauerte eine ganze Stunde. Der Witz war: Zwei Stunden später mussten die Haarverlängerungen bereits wieder rein ins Haar.

Unvergesslich ist auch die Zusammenarbeit mit der brasilianischen Fernsehschauspielerin Bruna Marquezine. Ich war gerade dabei, ihr Locken zu drehen, als das Gerät plötzlich überhitzte. Ich verbrannte ihre Haare, wenn auch – zum Glück! – nur die Spitzen. Bruna tat so, als wäre nichts geschehen. Solche Frauen mag ich. Mir ist es egal, ob eine Kundin berühmt ist – hauptsache, sie ist nett und auf dem Boden geblieben. Besonders beeindruckt haben mich diesbezüglich Penélope Cruz und Kelly Clarkson. Penélope ist unglaublich herzlich und dankbar, Kelly kennt keine Allüren. Bei einer Warteschlange stellt sie sich wie alle anderen hinten an. Und sie ist total cool: An einer Pressekonferenz war sie schwanger und rannte ständig auf die Toilette, um sich zu übergeben – doch etwas anmerken liess sie sich nicht.

Viele Stars jedoch sind dauergestresst, neurotisch und zickig. Wenn jemand ausrastet, nur weil es zu wenig Frotteetücher im Hotelzimmer hat, denke ich mir oft: «Sei nicht so eine hysterische Kuh. Nimm doch einfach eine Tablette.» In gewisser Hinsicht kann ich die Promis ja verstehen, schliesslich stehen sie unter grossem Druck. Doch auf die Nerven geht mir das Rumgezicke trotzdem – genauso wie das Gejammere. Wenn Celebrities völlig ungestylt aus der Dusche kommen, sehe ich sie von ihrer verletzlichsten Seite. Sie fühlen sich zu dick und alt, sind unzufrieden mit ihren Haaren. Um ihnen gut zuzureden, fehlt mir oft die Geduld. Daher bin ich manchmal dankbar für das laute Föhngeräusch: Es verunmöglicht jegliche Konversation.

Wenn ich ehrlich bin, arbeite ich nur für meinen guten Ruf mit den Promis zusammen. Lukrativ sind solche Aufträge ohnehin nicht mehr. Früher bezahlten die Stars für eine Styling-Session um die 1500 Dollar. Heute wollen sie nur noch einen Fünftel davon ausgeben. Sie könnten ja im Gegenzug auf Instagram Werbung für mich machen, meinen sie. Davon habe ich langsam genug. Vor Kurzem habe ich ein Charity-Projekt lanciert, das krebskranken Frauen mit Haarausfall freien Zugang zu tollen Perücken ermöglichen soll. Wer sich schön und gut fühlt, heilt schneller. Nach über zwanzig Jahren will ich mehr machen als nur «strählen».

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