Tipps der Kulturredaktion

Packende Bücher für kühlere Tage

Redaktion: Frank Heer, Claudia Senn; Text: Verena Luger, Olivia Sasse; Foto: Anthony Tran / Unsplash

Packende Bücher für kühlere Tage
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Vertieft in die Seiten, eingekuschelt und mit einer Tasse Kaffee oder Tee – so starten wie gerne in die kühlere Jahreszeit. 

Sinnliche Heimkehr

Wie in einer Oase liegt das Café Leila in einem Garten in Teheran. Hier gehen sie ein und aus, die Philosophen und Künstler im vorrevolutionären Iran. Der Wirt ist ein Russe, der in Paris studiert hat. Zod ist sein Sohn, auch er liebt das Café und die magischen Düfte der persischen Küche. Mit der Opernsängerin Pari führt Zod eine Ehe voller Leidenschaft und Liebe – bis Pari allzu jung stirbt. Und in Teheran nach der Revolution Angst und Festnahmen den Alltag bestimmen. Zod schickt seine Kinder in die USA, wo sie als Emigranten leben und ihr holpriges Glück machen. Bis Noor, die Tochter, sich scheiden lässt – und mit Zods Enkelin Lily wieder in die Heimat zurückkehrt. Opulent, verführerisch, voller Wehmut erzählt Donia Bijan in wunderschöner Sprache vom Heimkommen, vom Essen und von Familie. Ein Leckerbissen von einem Buch!

 

– Donia Bijan: Als die Tage nach Zimt schmeckten. Ullstein-Buchverlage, Berlin 2018, 384 S., ca. 13 Franken

Das eigene Leuchten

Ein potenzieller Lieblingroman! Die Geschichte beginnt im Rom der 1950er-Jahre. Der Maler Bear Bavinsky ist eine Naturgewalt, gefeiert und bewundert. Er pendelt zwischen New York und Rom, wo seine Geliebte mit dem gemeinsamen Sohn Pinch lebt. Der kleine Pinch vergöttert Bear, will Maler sein wie er, zeigt dem Vater schliesslich seine Bilder. Doch Bear macht alle Hoffnungen zunichte. Mit einem einzigen Satz zerspringen Pinchs Zukunftsträume und er will nun Bears Biograf werden. Aber auch daraus wird nichts, immer kleiner werden seine Träume, bis Pinch in mittlerem Alter eine Stelle als Italienischlehrer an einer kleinen Sprachschule in London annimmt – und nach Jahrzehnten ohne Malerei doch noch das Unwahrscheinliche anstrebt: mit Furor, aber im Verborgenen, sein Talent zu entfesseln. 

 

– Tom Rachman: Die Gesichter. Dtv-Verlag, München 2018, 416 Seiten, ca. 44 Franken

Immer ist alles schön

Die Mutter findet alles schön. Der Bruder aber weiss, dass das eher am Alkoholkonsum der Mutter liegt, als an der Welt. Und die 12-jährige Anais findet die Welt tatsächlich schön, «weil der Wind ganz warm die Armhaare aufstellt.» Mit verspielter Sprache zeichnet die Zürcher Autorin Julia Weber die Welt des 12-jährigen Mädchens. Zusammen mit ihrem Bruder kümmert sich Anais um die Mutter, die nachts in einem Nachtclub tanzt und ab und zu auch mal ein Mann von der Arbeit nach Hause bringt. Eine tragisch-komische Geschichte aus dem Leben, die direkt ans Herz geht. 

 

– Julia Weber: Immer ist alles schön. Limmat-Verlag, 2017, 256 S., ca. 30 Fr.

Der Roman zu #MeToo und Trump

Fundamentalistische Christen und Ultrarechte haben die USA übernommen. Homosexuelle werden in Arbeitslager gesperrt, Frauen dürfen nicht mehr arbeiten, haben weder Konten noch Pässe – und auch fast keine Wörter mehr: Nur hundert Wörter pro Tag sind gestattet, ein Zähler am Handgelenk gibt Stromschläge bei Überschreitung. Frauen sind Gebär- und Haushaltsmaschinen, denen der Gebrauch von Computern, Stift, Papier und Büchern untersagt ist. Doch das ist erst die Spitze des Eisberges, denn Jean, die Neurowissenschafterin, die wegen ihrer speziellen Kenntnisse zur Mitarbeit an einem geheimen Experiment hinzugezogen wird, erkennt, dass die Regierung noch weitaus Montröseres plant … Rasant, dystopisch, feministisch, nicht ganz so düster und ausgefeilt wie Orwells «1984» oder Atwoods «Der Report der Magd» – dafür punktgenau platziert in unsere #MeToo-Zeit und das Amerika unter Trump. 

 

– Christina Dalcher: Vox. S. Fischer Verlag, 2018, 400 Seiten, ca. 30 Franken

Der Sommer neigt sich dem Ende zu – der perfekte Zeitpunkt, um es sich Zuhause mit einem Buch gemütlich zu machen. 

Ein Buch über ein magisches Café in Teheran lässt uns träumen, ein potenzieller neuer Lieblingsroman nimmt uns mit in die Welt der Künstler und der neue Roman einer Zürcher Schriftstellerin geht direkt ans Herz. Die Tipps unserer Kulturredaktion versprechen faszinierende Lesestunden, mit denen wir gerne in den Herbst starten.

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