US-Zwischenwahlen

Diese Frauen schreiben gerade US-Geschichte

Text: Kerstin Hasse; Fotos: Getty Images, Facebook/Rashida Tlaib for Congress, debforcongress.com

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Alexandria Ocasio-Cortez

Die 29-jährige Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez wurde zusammen mit Abby Finkenauer als jüngste Frau in den Kongress gewählt. Die hispanische Demokratin Ocasio-Cortez hatte mit ihrem Wahlkampf für Furore gesorgt: Sie hatte sich im Vorfeld gegen den Demokraten Joe Crowley, einen der ranghöchsten Parteivertreter, durchgesetzt. Die Ökonomin, die für den Staat New York ins Repräsentantenhaus einzieht, gilt als Überfliegerin in der Partei – und das, obwohl sie für amerikanische Verhältnisse dezidiert links politisiert und sich selbst eine demokratische Sozialistin nennt.

 

«Wir haben heute Abend Geschichte geschrieben», sagte die 29-Jährige in ihrer Rede. «Das ist es, was möglich ist, wenn Menschen in der kollektiven Erkenntnis zusammenkommen, dass alle unsere Handlungen – egal wie klein oder wie gross sie sind –  die Kraft haben und sich lohnen, um eine dauerhafte Veränderungen zu schaffen.»

Abby Finkenauer

Auch Abby Finkenauer wurde mit gerade mal 29 Jahren in den US-Kongress gewählt. Die Demokratin setzte sich in ihrem Wahlkreis in Iowa gegen den Republikaner Rod Blum durch. Sie ist die erste Frau, die je in diesem District in den Kongress gewählt wurde.

 

«Heute Abend haben wir Angst und Spaltung abgelehnt. Heute Abend beweisen wir, dass wir für unsere Freunde, unsere Familie und unsere Nachbarn eintreten», sagte die Politkerin am Dienstag. 

Ayanna Pressley

Die Demokratin Ayanna Pressley wurde als erste schwarze Vertreterin des Staats Massachusetts in den US-Kongress gewählt. Im Vorfeld hatte sie sich erfolgreich gegen den seit 20 Jahren amtierenden Abgeordneten Mike Capuano durchgesetzt, ein alteingesessener Demokrat, der als wiedergewählt galt. Pressley führte einen mitreissenden Wahlkampf, der unter dem Slogan «Change can’t wait» lief.

 

«Niemand von uns hat sich aufstellen lassen, um Geschichte zu schreiben. Wir haben uns aufstellen lassen, um etwas zu verändern. Aber natürlich entgeht mir die historische Bedeutung dieses Abends nicht. Die Bedeutung von Geschichte entgeht mir nicht. Heute Abend erinnere ich mich an meine Mutter. Meine Heldin. Die Frau, die mir meine Wurzeln gab und meine Flügel. Sie war ein Super-Voterin. Sie hat bei jeder Wahl abgestimmt. Und egal wie klein wir uns in der Gesellschaft fühlten: Sie stellte sicher, dass ich wusste, sobald wir in dieses Wahllokal gingen und den Vorhang hinter uns zuzogen, hatten wir Macht. Heute Abend stehen wir in Massachusetts und in unserem Land in dieser Macht. Die gleiche Macht, von der meine Mutter sprach. Die gleiche Macht, die mich dazu brachte, meine Hand zu heben und nicht nach der Erlaubnis zu fragen, um zu führen.»

Rashida Tlaib

Rashida Tlaib wurde zusammen mit Ilhan Omar als erste muslimische Frau in den Kongress gewählt. Die 42-jährige Tlaib wurde in ihrem Wahlkreis des Bundesstaates Michigan gewählt. Schon in ihrem Wahlkampf betonte Tlaib, dass sie in Washington eine starke Stimme gegen Präsident Trump sein will und so gegen Vorurteile gegenüber Muslime ankämpfen. 

 

«Ich möchte, dass Sie wissen, dass meine Mutter, die aus einem kleinen Dorf im Westjordanland kommt, buchstäblich am Fernseher hängt... meine Grossmutter, meine Tanten, meine Onkel in Palästina – sie alle sitzen da und schauen ihrer Enkelin zu», sagte die Tochter palästinensischer Einwanderer nach ihrem Sieg und brach in Tränen aus. «Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich mich für die Familien des 13. Kongressbezirks einsetze, dass ich mich jeden Tag als stolze palästinensisch-amerikanische Frau einsetze.»

 

Ilhan Omar

Die 36-jährige Ilhan Omar setzte sich in ihrem Wahlbezirk im Bundesstaat Minnesota durch. Omar kam als somalisches Flüchtlingskind mit ihrer Familie in die USA. Sie wurde 2016 als erste Muslima in das Repräsentantenhaus in Minnesota gewählt und zieht nun ebenfalls in den US-Kongress ein.

 

Sie sei eine Frau, die viele Erstnennungen vor ihrem Namen habe, sagte Omar in ihrer Rede: «Die erste farbige Frau, die unseren Staat im Kongress vertritt, die erste Frau, die einen Hijab trägt, der erste Flüchtling, der je in den Kongress gewählt wurde, und eine der ersten muslimischen Frauen, die in den Kongress gewählt wurde. Hier in Minnesota begrüssen wir nicht nur Einwanderer, wir schicken sie nach Washington.»


 

Sharice Davids

Die Demokratin Sharice Davids sticht gleich in vielerlei Hinsicht heraus: Die 38-jährige Juristin ist zusammen mit Deb Haaland eine der ersten Ureinwohnerinnen, die ins Repräsentantenhaus gewählt wurde, ausserdem ist sie die erste lesbische Frau aus Kansas und erste Ex-Profi-Kampfsportlerin, die den Einzug in den Kongress schafft.

 

«Wir haben die Möglichkeit, die Erwartungen an das, was die Leute über Kansas denken, zurückzusetzen», sagte Davids am Dienstag. «Wir wissen, dass es so viele von uns gibt, die jede und jeden willkommen heissen, die jede und jeden gleich wahrnehmen und wissen, dass jede und jeder die Möglichkeit haben sollte, erfolgreich zu sein.»

Deb Haaland

Die zweite Ureinwohnerin, die in den Midterms einen Sieg verzeichnete, ist Deb Haaland. Die 57-jährige Demokratin setzte sich in New Mexico gegen die Republikanerin Janice Arnold-Jones durch. Haaland setzte sich in ihrem Wahlkampf vor allem dafür ein, mehr Ureinwohnerinnen und Ureinwohner zum Abstimmen zu bewegen.

 

«Vor siebzig Jahren konnten die Indianer hier in New Mexico nicht wählen», sagte Haaland nach ihrem Erfolg am Dienstag. «Als ich im Pueblo-Haushalt meiner Mutter und als New Mexicanerin der 35. Generation aufwuchs, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich eines Tages von jemandem politisch vertreten werde, der so wie ich aussieht. Und heute Abend schicken Sie in New Mexico eine der allerersten indianischen Frauen in den Kongress.»

Bei den Zwischenwahlen in den USA wurden zum ersten Mal mehr als 100 Frauen ins Repräsentantenhaus gewählt. Viele von ihnen setzen mit ihrer Wahl ein Zeichen für mehr Diversität in der amerikanischen Politik. 

Während es die Demokraten bei den Zwischenwahlen nicht schafften, sich im Senat gegen die Republikaner durchzusetzen, gelang es ihnen aber, das Repräsentantenhaus zurückzuerobern. Seit acht Jahren hatten die Demokraten keine Mehrheit mehr im Haus, nach aktuellen Hochrechnungen liegen sie derzeit rund sieben Prozentpunkte vor den Republikanern. Was das konkret bedeutet: Die Demokraten können Präsident Trump den politischen Alltag erschweren.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten sind über 100 Frauen ins Repräsentantenhaus gewählt worden. Die Frauen, die nun während dieser Zwischenwahlen, den sogenannten Midterms, für Schlagzeilen sorgten, haben alle etwas gemeinsam: Sie stehen für Gleichberechtigung ein, bilden ein diverses Amerika ab – und sie sind Demokratinnen. 

Kerstin Hasse

Die Online-Reporterin interessiert sich für die Fragen, die sich ihrer Generation gerade stellen. Sie schreibt über Politik und Popkultur, über Feminismus und Gleichstellung, über Beziehungen und – typisch Millennial – manchmal auch über sich selbst.

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