Schweizer Macherinnen

Wir machen Mode

Redaktion: Michèle Boeckmann, Cati Soldani; Quotes: Leandra Nef; Fotos: Sara Merz; Producer: Lara Bollmann; Haare: Rachel Bredy; Make-up: Nicola Fischer; Modeassistenz: Chiara Schawalder; Fotoassistenz: Johanna Hullár, Kevin Schärer 

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Eliane Heutschi (31), Modedesignerin

«Junge Designerinnen zieht es oft ins Ausland, weil der hiesige Markt zu klein ist. Auch ich bin lieber Expat: In einer fremden Kultur nehme ich die Details des Alltags schärfer wahr. Das hilft beim Kreativsein»

 

Die Zürcherin Eliane Heutschi studierte in Basel und Paris Mode, war Assistentin des deutschen Modedesigners Lutz Huelle und zeigte im Februar 2017 die erste Kollektion ihres Labels Savoar fer an der Paris Fashion Week. Sie lebt und arbeitet in Paris.

 

Jacke und Hose, beides von SAVOAR FER. Ohrringe von ISABELLE MAYER. Preise aller Stücke auf Anfrage
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Christina Lauchenauer (85), Quilterin

«Wie schnelllebig die Mode doch geworden ist. Meine Arbeit ist das genaue Gegenteil – ich nehme mir ganz bewusst Zeit dafür: Für einen Quilt wie diesen arbeite ich sieben Monate lang fünf bis sieben Stunden pro Tag. Genauso bewusst, wie ich meinen Job ausübe, trage ich auch Schweizer Design – die Qualität unserer Mode ist einzigartig»

 

Die gelernte Buchhändlerin aus Horn TG nähte in jungen Jahren ihre eigene Garderobe und fasste so in der Modeszene Fuss. Ihre hochwertigen Quilts und Quiltjacken präsentiert Christina Lauchenauer an nationalen und internationalen Ausstellungen.

 

Kimono von KAZU HUGGLER. Quilt von CHRISTINA LAUCHENAUER. Schmuck und Schuhe privat

Cécile Feilchenfeldt (45), Textildesignerin

«Im Textilbereich ist die Schweiz seit jeher federführend. Textil ist Tradition, im Fashionbusiness aktiv zu sein, ist für uns Schweizer hingegen eher neu. Aber auch da bin ich guten Mutes: Es gibt keinen Grund, warum ein kleines Land wie die Schweiz keine glamouröse Mode hervorbringen sollte»

 

Die in München aufgewachsene Schweizerin Cécile Feilchenfeldt lebt in Paris und arbeitet für Kunden von der Haute Couture bis zur Autoindustrie. Sie gewann den Schweizer Grand Prix Design 2018 für ihr experimentelles Strickdesign.

 

Strickwerk von CÉCILE FEILCHENFELDT. Plisseekleid von JULIA HEUER
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Priska Morger (50), künstlerische Leiterin des Instituts Mode-Design der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel

«Schauen Sie sich im Tram um, alle tragen Blau, Grau, Schwarz. Für uns ist es darum umso wichtiger, unseren Studierenden Raum für Experimente zu bieten: Sie sollen sich mutig von Konventionen lösen. Dass unsere Arbeit Früchte trägt, sieht man etwa an unseren Absolventinnen Christa Bösch und Cosima Gadient – besser bekannt als Design-Duo Ottolinger – deren Overknee-Stulpen ich heute trage»

 

Die Baslerin Priska Morger war in den 1990ern die erste Assistentin des heutigen Calvin-Klein-205W39NYC-Designers Raf Simons, designte von 2007 bis 2011 für ihr eigenes Label Radic/Morger und gibt ihr Können heute an Studierende in Basel weiter.

 

Jerseytop von JULIA SEEMANN. Overknee-Stulpen von OTTOLINGER. Kettentop von AFTER WORK STUDIO. Ohrringe, Leggins und Stiefel privat. Plexiglasstuhl von Timetunnel Living
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Julia Seemann (28), Modedesignerin

«Schweizer Modedesign wird von den Schweizerinnen und Schweizern oft erst dann wahrgenommen, wenn es im Ausland Erfolge feiert. Experimentelle Plattformen wie die Mode Suisse sind genau deshalb so wichtig: Sie helfen, Fashion auch bei uns zu etablieren»

 

Die Zürcherin Julia Seemann studierte Modedesign in Basel. Sie gewann den Swiss Design Award 2017 und hat ihre Kollektionen schon in den Modemetropolen Mailand, Berlin, London und New York präsentiert.

 

Cardigan, Jeans mit aufgesetzten Taschen und Ohrringe, alles von JULIA SEEMANN. Schuhe privat

Helena Fritz (20), Model

«In der Schweiz gibt es so viele talentierte Models, Designerinnen, Stylistinnen und Fotografinnen. Die Kreativität all dieser Menschen mitzuerleben, ist eine der spannendsten Facetten meines Jobs»

 

Die Maturandin aus Nebikon LU war Anfang 2017 Kandidatin bei Germany’s Next Topmodel. Dieses Jahr gewann Helena Fritz mit dem Elite Model Look den wichtigsten Schweizer Wettbewerb für Nachwuchsmodels.

 

Kleid aus Seidentaft und Organza von JACQUELINE LOEKITO. Schuhe von MEPHISTO
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Roberta Ventura (44), Gründerin Sep Jordan

«Schweizer Mode ist ordentlich und gradlinig. Man hängt sie in den Schrank und kann sie dank guter Qualität und Zeitlosigkeit auch Jahre später noch tragen»

 

Die italienischstämmige Genferin Roberta Ventura – einst als Investmentbankerin in London tätig – setzt sich seit zwei Jahrzehnten für geflüchtete Menschen ein. Für ihr 2013 gegründetes Label Sep Jordan arbeiten heute mehr als 300 Frauen aus jordanischen Flüchtlingslagern, die sich und ihre Familien so aus der Abhängigkeit von Hilfsgeldern lösen können.

 

Plisseekleid von JULIA HEUER. Schal von SEP JORDAN
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Yvonne Reichmuth (32), Modedesignerin und Stylistin

«Auch wenn ich manchmal damit liebäugle, nach Los Angeles zu ziehen: Ich designe gern in Zürich. Alles ist klein und nah, ich habe meine Freunde und Familie um mich und kann dank meines Nebenjobs als freie Stylistin mein Label querfinanzieren»

 

Stars wie Kylie Jenner und Taylor Swift lieben ihre Lederaccessoires: Die Zürcherin Yvonne Reichmuth hat vor fünf Jahren das Label Yvy gegründet, mit dem sie den Design Preis Schweiz 2017/18 gewonnen hat. 2011 war sie Finalistin für unseren Modepreis gamevuinhon award.

 

Anzug, Ledergürtel und Fächer, alles von YVY. Armreif und Schuhe privat. Beistelltisch von Eternit bei Timetunnel Living
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Sissi Zoebeli (69), Inhaberin Thema Selection

«Die Schweiz ist kein Modeland. Aber dank der Akademisierung der Mode sind wir heute schon ein ganzes Stück weiter als noch 1971, als ich Thema Selection mitbegründete. Trotzdem wird den Menschen in fünfzig Jahren von der Mode der 2010er wohl vor allem dreierlei in Erinnerung sein: Inflation, Kopien und Billiglinien»

 

Die Zürcherin Sissi Zoebeli ist Mitbegründerin des Modelabels Thema Selection, das in den Siebzigerjahren mit exzentrischen Modeschauen für Furore sorgte. Ihr Laden ist bis heute Treffpunkt der Zürcher Kultur- und Fashionsszene.

 

Zweiteiler aus Tweed von THEMA SELECTION. Schuhe, Socken, Brille und Ohrringe privat

Vanessa Schindler (30), Modedesignerin

«Die Zukunft der Schweizer Mode wird aufregend! Ich beobachte im Moment eine Befreiungsbewegung. Früher war es hier schwierig, experimentell und verrückt zu sein»

 

Vanessa Schindler aus Bulle FR hat während ihres Masterstudiums in Fashion and Accessories Design in Genf ein Praktikum bei Balenciaga in Paris absolviert, wo sie heute lebt. Mit ihrem Label gewann sie unter anderem den renommierten Förderpreis am Hyères International Festival of Fashion and Photography.

 

Oberteil mit Brandlöchern von OTTOLINGER. Slipdress und Hose, beides von AFTER WORK STUDIO. Ohrringe von VANESSA SCHINDLER.
Moulure-Stoff auf allen Bildern von
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Zehn Schweizer Fashionprofis, zehn Statements – und zehnmal der Bildbeweis: So vielfältig und aufregend ist Swiss Design!

Die Schweizer Modefotografin Sara Merz (34) ist bekannt für ihre kraftvollen Porträts. Für uns hat sie zehn Schweizer Macherinnen porträtiert, die ihr Leben der Mode widmen.  

 

Schweizer Macherinnen

Frauen, die inspirieren: Empfehlen Sie uns eine Frau, die auf ihrem Gebiet Herausragendes leistet, oder schicken Sie sich hier gleich selbst ins Rennen um das Prädikat «Schweizer Macherin».

Cati Soldani

Ihre drei Kinder holen die Modechefin immer wieder auf den Boden der Realität zurück und geben ihr eine gesunde Einstellung zur manchmal verrückten Fashionwelt.

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