Meinung

Darf man geerbten Pelz tragen?

Redaktion: Barbara Loop, Leandra Nef; Foto: iStock

Darf man geerbten Pelz tragen?
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Vom Star der Mode zum Reizthema: Echtpelz ist mittlerweile bei grossen Labels und Warenhäusern, ja sogar in ganzen Städten tabu. Die beiden Lifestyle-Redaktorin Leandra Nef und Barbara Loop diskutieren darüber, ob man den geerbten Pelzmantel seiner Grossmutter tragen darf. 

«Nein! Jedenfalls nicht offensichtlich»
Leandra Nef, Lifestyle-Redaktorin

Man sieht Grosis Pelzmantel leider nicht an, ob die verarbeiteten Tiere ein Leben in Freiheit geniessen durften oder in Finnland gemästet wurden. Und sogar wenn Ersteres der Fall wäre, befeuert das Tragen eines Pelzmantels einen Look, für den zu oft Tiere leiden müssen. Ganz zu schweigen davon, dass Sie sich auf der Strasse wohl viele Feinde machen, weil die Welt mit Ihrem Mantel weniger Ihr Grosi assoziiert als mehr einen Haufen gehäuteter Tiere in einem chinesischen Hinterhof.

Dabei könnte der Mantel auch aus Schweizer Rotfuchs gefertigt sein. Auch wenn Tierschützer bezweifeln, dass Hege-Jagd die sinnvollste Massnahme zur Bestandesregulierung ist, so ist es in meinen Augen doch vernünftig, wenigstens einen Teil der Fuchsfelle zu Kleidung zu verarbeiten. Die toten Tiere ungenutzt zu verbrennen, hilft jedenfalls wenig. Genauso wenig natürlich, wie Grosis Mantel – bestenfalls aus Tierliebe, schlechtestenfalls aus Scham – im Schrank verstauben zu lassen.

Bis wir in einer fernen, qualzuchtfreien Zukunft leben, lassen Sie das Stück also am besten von einem Kürschner zum Innenfutter umarbeiten. So jedenfalls würde ich es machen.

«Absolut, wär doch schade drum»
Barbara Loop, Lifestyle-Redaktorin

Ich weiss noch, wie erstaunt ich war, als ich im Schrank meiner Grossmutter gleich drei Pelzmäntel entdeckte. Nie hätte ich gedacht, dass sie einst in einem Mantel, dem ein Hauch von Hollywood anhaftet, durch ihr kleines Thurgauer Dorf spaziert war. In meinen Kinderaugen war Pelz äusserst glamourös.

Daran hat sich bis heute wenig geändert. Bevor Sie jetzt entsetzt aufschreien, lassen Sie mich klarstellen: Ich brauche keinen neuen Pelzmantel, für den Tiere auf einer Farm ihr Leben gefristet haben. Aber ich sehe nicht ein, warum ich einen Pelzmantel, der bereits im Schrank hängt, nicht tragen soll. Weil ich so eine Mode propagieren würde, für die Tiere leiden? Dieses Argument trifft auf all die tollen Fake-Fur-Mäntel zu, die sich wie etwa bei Dries Van Noten oder Givenchy von blossem Auge nicht mehr von Echtpelz unterscheiden lassen.

Sensibilisierung ist wichtig. Aber ich plädiere für mehr Sachlichkeit in dieser Debatte. Wer zahlt den Preis für meinen Konsum und wie hoch fällt dieser aus, diesen Fragen müssen wir uns stellen. Immer! Denn auch wenn es kaum einer wahrhaben will: Jedes neue Material hat seinen Preis in Sachen Umwelt – darum sollten wir uns öfter mal in Grosis Kleiderschrank bedienen.

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