Apropos Mode

#KimOhNo

Text: Jacqueline Krause-Blouin; Foto

kimono kim kardashian

Kim Kardashian hat eine Shapewear-Kollektion mit dem Namen Kimono herausgebracht – und damit einen Shitstorm ausgelöst. «Kulturelle Aneignung ist hier noch das kleinere Problem», findet unsere Autorin Jacqueline Krause-Blouin.

Ich will Sie ja nicht langweilen, aber kürzlich löste Kim Kardashian West mal wieder einen Shitstorm aus. Sie lancierte eine Shapewear-Kollektion mit dem Namen Kimono. Eigentlich ein cleveres Wortspiel, weil, nun ja, Kim darin vorkommt. Und ich wette mit Ihnen, dass das auch schon das Ende der Überlegungen zur Namensfindung war, ein Prozess rein narzisstischer Natur also. Sie hat bestimmt nicht absichtlich die Japaner beleidigt, die nun ihre traditionelle Kleidung verhöhnt sehen und laut «Cultural Appropriation!» schreien. Sogar der Bürgermeister von Kyoto schrieb einen offenen Brief und bat die Reality-TV-Ikone den Brand-Namen doch noch einmal zu überdenken. Zur Überraschung aller versprach KK tatsächlich diesen zu ändern und liess im selben Atemzug verlauten, dass sie tiefen Respekt vor der Bedeutung des Kimonos in der japanischen Kultur habe. Noch grösseren Respekt hat sie nur fürs eigene Geschäft.

Diese Shitstürme sind ja akribisch geplant, im Hause Kardashian/West und deswegen mag man ihnen eigentlich keine Bühne mehr bereiten. In diesem Fall muss aber eine Ausnahme gemacht werden, denn der Sturm bläst in die falsche Richtung. Kulturelle Aneignung ist hier noch das kleinere Problem. Kims «Solution Wear», die aussieht wie das was Kanye unter seinem Label Yeezy als Haute Streetwear verkauft, setzt – na klar – auf Diversity. Gemacht sei sie für «arbeitende Frauen in allen Grössen und Farben.» «Weil alle Frauen schön sind», flötete Kardashian stolz auf Twitter und berichtete, dass ihre Shapewear extra bis Grösse 4XL hergestellt wird.

Klar, der KK-Klan wird auch diese Produkte demütig unüberlegt erwerben. Unbeantwortet jedoch bleibt die Frage, welche real arbeitende Frau, die ihr Geld nicht im Showbusiness verdient, sich an ihrem Arbeitsplatz freiwillig in Luft abschnürende Spanx zwängt. Und warum alle Frauen, wenn sie doch so schön sind, überhaupt eine Solution, also eine Lösung, für ihre Figur brauchen.

Kommentare

Empfehlungen der Redaktion

Glosse

Komm zurück, Kate!

Von Jacqueline Krause-Blouin

Mehr aus der Rubrik

gamevuinhon Soirée: Das Podium

Von Jessica Prinz